11 der Vergangenheit oder Gegenwart geschöpft wurde, in der Form künstlerischer Darstellung wiederzugeben, so weit reicht. überhaupt der Kreis des eben dadurch so vielseitigen Sitten- bildes, dessen Begriff jedoch nicht so eng zu fassen ist, dass, nicht auch das über das Zuständliche Hinausgreifende, Leiden- schaftsvolle, der Sitte gegenüber Gegensätzliche in den Kreis. der Darstellung gezogen werden könnte, wenn es sich sonst, nur dem ästhetisch Darstellungsmöglichen nicht entzieht. So einfach nun auch das Motiv sein mag, das der Sitten- bildmaler aus diesem weiten Kreise frisch herausgreift, an sich ist ein jedes gleich wichtig, das allerdings oft erst im Zusam- menhange mit dem Allgemeinen verständlich wird, dieses aber- .wiederum aus einer so unendlichen Menge von Zuständen, Be- idürfnissen, Sichgeben u. s. w. besteht, so dass der Künstler erst aus dem Studium des Einzelnen die Möglichkeit für- die lebenswahre Darstellung des Ganzen, Allgemeinen, durch die Idee Verbundenen gewinnen kann; denn es giebt in Rück- sicht auf die Kunst in ihrer Gesammtheit oder auch im Einzel- nen nicht Einen Standpunkt, der das Studium des Einzelnen überflüssig machte, und eben aus diesem Grunde nicht etwa um das Leben blos copiren zu lernen soll der Künstler- nicht nur der grösste Kenner menschlicher Hantierungen, Zu- stände und Bedürfnisse, sondern auch ein geschickter Darstel- ler aller für ihn in Betracht kommender räumlicher Dinge und Wesen sein, wie sie einerseits das Thier- und Stillcben, andererseits das Leben der Pflanze, die Erscheinungen der- Natur u. s. w. umfassen. 4 S0 entstehen denn, je nachdem der Künstler seinen Blick mehr auf ein stilles Dahinleben, auf ruhige Beschäftigung ge- lenkt hat, jene Darstellungen, welche uns in der entsprechen- den Umgebung das llcissige Wirken des Landmannes auf dem. Felde und im Hause, das betrachtende Nichtsthun im schwülen Mittage, die körperliche Erholung nach vollbrachtem Tage- werke mit all seinen den Stand und die Temperamente kenn-