156 HIERONIMUS, FORMSCHNEIDER. dem, das zum Werk gehört, der geschickteste und oberste, sonderlich aber ist vor keiner gewesen, der die Schriften so rein und gerecht in Holz geschnitten hat. Ich Hanns Neudörfer macht ihm eine Prob von Fracturschriften, die schnitt er in Holz, und darnach in stählerne Punzen, und verändert die- selbige Schrift in mancherlei Gröss, und wiewol Kaiser]. Maje- stät vorher durch den Schönsperger- (Hanns Schönsperger zu Augsburg hat das Neue Testament mit Figuren in Holz ge- schnitten, gedruckt in Folio 1525) auch ein Fracttir machen und den Teuerdank damit drucken lassen, welche Prob Herr Vin- cenz Rockner, Kais. Maj. Hof Secretari, machet, das ich auch gesehen, und der Kaiser mit eignet Hand darunter die Wort: Te Deum Laudamus, schrieb, achte ich doch, diese seine Schrift soll. auch noch heutiges Tags WOl daneben stehen. Er hätt auch ein eigne Druckerei, und ist im Eisenschneiden zur Münz sehr geschickt und berühmt. Hieronimus "Andrea" nannte sich (zufolge Doppelmayr) niemals nach seinem Zunamen, nur nach seinem Tliufnamen. Ob er eigent- lich Resch geheissen habe, wird desshalb nicht ohne Grund bezweie felt. Er wohnte in dem "Weschenhof" an der Breiten Gasse, der jetzt noch amtlich Wäschershof heisst, und ebendaselbst auch Martin Keltsch, der Buchdrucker, dessen Presse er benutzt haben und so die Meinung, er habe eine eigene Druckerei gehabt, veranlasst haben mag. Noch in Dürefs Todesjahr 1528 sah sich der Rath veranlasst, Jeronimus Formschneidern und Sebalden Behaim, dem Maler, zu sagen, dass sie bei eines Raths Strafe, die man an Leih und Gut wolle gegen sie vornehmen, sich enthalten, das abgemacht Büchlein von der Proportion, das aus Albrecht Dürers Kunst und Büchern abhändig gemacht worden, in Druck ausgehen zu lassen, so lang bis das recht Werk, das Dürer vor seinem Absterben gefertigt und das im Druck ist, ausgehe und zu Licht gebracht werde. (RB. S. auch Baader Beitr. 1,10.) Doch verdankt man ihm die zweite 1538 erschienene Originalausgabe „v0n der Messung mit dem Cirkel" etc. (S. Nagler, p. 55.) In den Jahrb. f. Kstwissensch. 1863, p. 232 theilt Baader noch Mchreres über diesen Jeronimus mit, woraus er als ein unruhiger und turbulenter Kopf erscheint. Ebcndaselbst constatirt er auch seinen Namen Andreae. Er ist begraben auf St. Johannis num. 558, wo seine Grab- schrift, nach Nor. Chr. Freydh, p. 83, lautet: „Anno domini 1556 Jahr, den 7 Tag Maji, verschied der Erhar Hieronymus Andreae, Plirmschneitier, dem Gott genad. Amen." lilCFLlUFCh wird aller Zweifel, wie er geheissen habe, beseitigt.