154 EXCURS Die Periode, in Welche der 3. Theil des I-Ieraclitts fällt, ist auch für die Kunst die des Uebergaiages aus chaotischer Zerstreuung eines wohlgegründeten alten Wesens in neue, zur Zeit noch unklare Formen der künftigen Bestimmung. Es ist ein Gemisch von Resten und jungen Keimen, so in den grossen politischen und socialen Gestaltungen wie in der kleineren Welt der Künste. Aus dem Alterthum hat sich bloss_ Tempera und Fresco herübergerettet, die Enkaustik verschwand im Hachen Sande des Byzantinismus ohne Spur; die Oeltechnik offenbart sich im frühesten Werden. Wie alle Neuerung hebt sie sich von niederen Vorstufen zu der ihr beschiedenen Voll- endung auf, zuerst in aller Unbehilliichkeit der Neugestaltung und deshalb den bestehenden Malweisen nur beigeordnct, zu Nebenarbeiten allein gebraucht. Der Vermehrer des Heraclius im III. Buche aber bemerkt bereits Vorzüge und versteht es, ihnen mit künstlichen Mitteln zu Hilfe zu kommen. Das nimium taediosum des Theophil ist ein ÜIDCTWLIIILISIICI" Standpunkt, er braucht mit dem Aufsetzen eines zweiten Tones nicht erst lange zu warten, bis die Grundfarbe völlig aufgetrocknet ist, weil ihm eigene Trockenmittel zu Gebote stehen. Woher aber kam den Nordländern dieses Ersatzmittel, welches wir allmälig in Verwendung kommen sehen, der Ge- brauch öliger Vehikel der Farben? Die Noth, die unzulängliche Beschaffenheit der Mischungen mit Eiweiss und anderen Stoffen leistete, wie bemerkt, der Pflege der neubeachteten Praxis Vor- schub; welches ist aber die Quelle, aus der sie dem Norden bescheert wurde? Auf den ersten oberflächlichen Betracht hin erschiene unter den fremden Ländern eines, das im 9. bis 12. Jahrhunderte dafür gelten könnte, das griechische Kaiserreich. Byzanz hatte damals ja auch Italien mit seinen dunkeln, ge- firnissten Tafeln beschenkt, es waren unter den Ottonen an Bischof Altmann von Passau etc. auch nach Deutschland derlei Arbeiten gekommen und Theophilus sagt in seinem Programm, er wolle von den Arten und Mischungen der Farben handeln, Welche in Grecia üblich. Jedoch vergessen wir bezüglich des ersten Punktes den Unterschied nicht, dass Italien dem Byzan- tinismus so freien Zutritt gewährte, weil des Landes eigene Kunst in schwachen Spuren nur vorhanden war und tiefe Bar-