300 gungen neben menschlichen Gestalten, die weder durch feierliches Licht noch Spuren der Körperlosig- keit bezeugt werden. Sie wandeln in menschlicher Gestalt im Tageslicht, frei auf Erden, Schulter an Schulter, Hand in Hand mit den Menschen. Und doch wirken sie wie Engel: they never miss of the angel. Wer das darstellen kann, hat den höchsten Gipfel und das äußerste Können idealer Kunst erreicht. Er bedarf fürder weder Wolke, Blitz, Sturm oder geheim- nisvoller Schrecken. Sein Werk bleibt bestehen, wenn die Elemente vor I-litze zerschmelzen, die das Firmament erleuchtet, und vor der selbst die Sonne schwarz werden wird wie ein härener Sack. Welche Mittel können das bewirken? Wir betrachten zunächst den Ausdruck übernatiirlicher Einwirkung auf rein menschliche Gestalten wie Si- byllen und Propheten. Wir sind hier nicht berech- tigt, den Ausdruck höchster Veredlung der mensch- lichen Gestalt zu erwarten. Mehr wäre nicht er- reichbar bei einer Personifikation der göttlichen Gegenwart selbst, statt wie hier, der bloßen Gefäße ihrer Offenbarungen. Wo es sich daher nur um Inspiration und nicht um das göttliche oder engelhafte Sein selbst handelt, darf man nie die äußerste Grenze der Schönheit darstellen. Von dieser Reserve und Unterordnung finden sich die lehrreichsten Beweise in Angelicos Werken. Menschlichen Typen verleiht er untergeordnetere Züge, selbst wenn er sie ver-