266 Unterschied von Fantasie und Geistreichigkeit; ein anderer ist ihm gleich und entspringt daraus. Die Fantasie ruht am Herzen der Dinge, hält sich dort und bleibt still, ruhig und nachdenklich, alles um sich her mit festem Blick erfassend. Aber die Geistreichigkeit, die an den Außenseiten der Dinge haftet, kann sie nicht alle zugleich erblicken. Sie läuft hin und her, rund herum, um mehr und mehr zu sehen. Wenn sie sich aber niederlässt, so ge- schieht das nur auf einem Punkt, ohne das Ganze zu umfassen. Von einzelnen Punkten aus kann sie Analogien linden und Ähnlichkeiten entdecken, die wahr sind, so weit es den Punkt betrifft, den sie im Auge hat; aber falsch wären, wenn sie hindurch- blicken könnte auf die andere Seite. Aber daran liegt ihr nichts. Ihr genügt ein Berührungspunkt, und selbst wenn eine Kluft dazwischen gähnt, springt sie von einem Punkt zum anderen wie ein elek- trischer Funke und funkelt am hellsten im Sprunge. Diese Verschiedenheiten von Fantasie und Geist- reichigkeit liegen nicht nur in der Art, wie sie die Dinge anschauen, sondern selbst in der Zeit, die sie darauf verwenden. Die Geistreichigkeit läuft am liebsten hin und her in der Zeit und folgt gern langen Reihen von Geschehnissen von einem Glied zum anderen. Aber die Fantasie erfasst irgend ein Mittel- glied, das das übrige in sich schließt, und lässt sich dort nieder. In Retschs Illustrationen zu Schillers Kampf mit dem