194 Laub, dessen Blätter sich konzentrisch gruppieren, wie bei den Kastanien und vielen Sträuchern, z. B. Rhododendron, ist edler in seiner Wirkung als an- deres, so dass die holde Kastanie mit Vorliebe und häufig in Tintorettos und Tizians Landschaften er- scheint . . . Das Trachten nach Gleichgewicht und das sich ihm Unterordnen ist für Seelen charak- teristisch, die sich hoher moralischer Disziplin unter- worfen haben und überall bemerkbar bei den großen religiösen Malern. Sie stellen gleiche Reihen von Heiligen auf jede Seite des Bildes; jeder knieenden Gestalt entspricht eine solche auf der andern Seite. Die dienenden Engel sind oben und unten gleicher- weise gruppiert. Das Gleichgewicht bleibt gewahrt, selbst in Handlungen, die verschiedene Gruppierungen benötigen, wie bei Giotto immer und bei Ghirlandajo durch die chorartig aufgereihten Seitenliguren. Bei Tintoretto tritt es in seinem vornehmsten Werk, der Kreuzigung, am bedeutendsten hervor, wo nicht nur die Gruppierung, sondern auch die Verteilung des Lichtes absolut symmetrisch ist. Ohne Symmetrie treten die Wirkungen der Leidenschaft und Heftigkeit stärker hervor, und viele Bilder verdanken ihre Erha- benheit dem Fehlen der Symmetrie, verlieren aber dem- entsprechend an der Qualität göttlicher Schönheit.