"VOTII 211m bis 291 hörten und eigentlich nur dasselbe Prineip, wenn auch in einer andern Richtung thätig, waren. Ein sorgfältiges Studium der Geschichte der religiösen Toleranz wird zeigen, dass sie in jedem christlichen Lande, wo man sie angenommen, der Geistlichkeit durch das Ansehen der weltlichen Stände aufgezwungen wurde?) Noch heutiges Tages ist sie bei den Völkern unbekannt, wo die geistliche Macht stärker ist als die weltliche, und dies war viele Jahrhunderte hindurch der allge- meine Zustand. Es ist daher nicht zu verwundern, dass wir in der ältesten Geschichte Europas kaum eine Spur von einer so weisen und wohlwollenden Ansicht linden." Als aber Elisabeth den Englischen Thron bestieg,_ war unser Vaterlanddfast gleich getheilt zwischen den beiden ieindlichen Bekenntnissen, und mit bewun- dernswürdiger Kunst wusste die Königin eine Zeit lang beiden so die Waage zu halten, dass keins entschieden vorwog. Dies war das erste Beispiel einer glücklichen Europäischen Regierung ohne thätige Theilnahme der geistlichen Macht an ihrer Leitung, und die Folge war, dass mehrere Jahre hindurch das Prineip der Dul- dung, obgleich noch sehr unvollkommen gewürdigt, in einem Grade angewendet wurde, der uns in einem so barbarischen Zeitalter wirklich überraschen mussß) Unglücklicher Weise wurde Elisa- beth später durch allerlei Umstände, die ich an ihrem Ort an- führen werde, bewogen, eine Politik zu ändern, welche sie trotz all ihres Verstandes vielleicht für ein gefährliches Experiment hielt und für welche die Bildung des Volks kaum reif war. Aber ob- gleich sie nun die Protestanten ihren Hass gegen die Katholiken befriedigen liess, so zeigt sich doch mitten unter den blutigen 9) Fast vor 200 Jahren bemerkte Sir W. 'i'emplc, in Holland besässe die Priester- schaft weniger Macht als in andern Ländern, desshalb bestände dort ein ungewöhn- licher Grad von Duldung. Templds Works I, 157-162; Observations am Ülß united provinces. Etwa 70 Jahre später machte ein anderer scharfer Beobachter denselben Schluss. Le Blaue (Lettres d'un Frangais I, 73) spricht von der Duldung der ver- schiedenen Secten gegen einander in Holland und fügt dann hinzu: „La gmnde reisen d'une lmrmome si parfaite esl, que tout yy rägle pur las säouliers de clzacmze de (Jgs religions et qu'on n'y Soufriroit gms des vninistres, dem le zEle impmdent pourroit dä- truire cette keureusc oowespovzdanoe." Soviel zur Beleuchtung dieses wichtigen Satzes, den ich später beweisen werde. 3) „In den ersten 11 Jahren ihrer Regierung wurde kein einziger Katholik Wegen seines Glaubens auf Leib und Leben angeklagt." Ncaßs Ilist. of tke Puritans I, 444, Gallier, Esel. kist. VII, 252. 19'