Literatur und Staatsregierung. 221 Ursaehe ihres Fortschritts. Wenn wir sie aber unter einem kleineren Maassstabe betrachten oder, wie man es nennt, einen praktischen Ueberblick über eine kurze und specielle Periode nehmen, so wer- den gelegentlich Umstände eintreten, die diese allgemeine Ordnung stören und den natürlichen Verlauf anscheinend umkehren. Und dies kann, wie in allen solchen Fällen, nur aus den Eigenheiten einzelner Menschen entspringen, welche unter dem Einfluss niederer Gesetze, wie sie individuelle Handlungen bestimmen, im Stande sind durch ihr Genie und ihre Kraft in die Wirkung jener grösseren Gesetze, welche grosse Gesellschaften regieren, einzugreifen. Um- stände, die noch ein Greheimniss sind, bringen von Zeit zu Zeit grosse Denker hervor, welche ihr Leben einem einzigen Zweck widmen und so im Stande sind, den Fortschritt des Menschenge- schlechts vorweg zu nehmen und eine Religion oder eine Philosophie hervorzubringen, welche schliesslieh eine bedeutende Wirkung aus- üben. Wenn wir aber in die Geschichte blicken, werden wir deut- lieh wahrnehmen, wenn auch der Ursprung einer neuen Meinung einem Einzelnen zukommen mag, dass ihr Erfolg doch von dem Zustande des Volks abhängt , unter dem sie verbreitet wird. Ist eine Religion oder eine Philosophie einem Volke zu weit voraus, so kann sie für den Augenblick keine Dienste leisten, sondern muss die Zeit abwarten, bis die Geister für ihre Aufnahme reif sind. Den meisten Lesern der Geschichte werden sich unzählige Beispiele davon darbieten. Jede Wissenschaft und jeder Glaube hat seine lllartyrer, Männer, die sich der Verleumdung, ja dem Tode aus- gesetzt sahen, weil sie mehr wussten als ihre Zeitgenossen und weil die Gesellschaft noch nicht hinlänglich fortgeschritten war, um die Wahrheiten aufzunehmen, welche sie mittheilten. 1m gewöhn- lichen Lauf der Dinge vergehen ein Paar Generationen und dann tritt eine Zeit ein, wo die nämlichen Wahrheiten als Gemeinplätze angesehen werden, und noch etwas später kommt eine Zeit, wo sie für nothwendig erklärt werden und wo sich selbst der dümmste Verstand wundert, wie sie nur jemals haben Widerspruch finden können. So kommt es, wenn der nlenschliehe Geist freies Spiel haben und sich mit leidlieher Freiheit der Anhäufung und Verbrei- werden sich immer darüber beklagen müssen, bis sie entdecken, dass eine gewisse Civilisation der Bekehrung vorhergehn oder sie wenigstens begleiten müsse. Eben so Hallqetüs Nales an llze Norilz American Indizms 352, 353 und Combe, Norik A-ßnßrica l, 250, II, 353.