72 Einfluss der Naturgesetze. Geschichtsbücher uns kein Beispiel geben, wo diese Völker sich gegen ihre Herrscher gewendet; wir finden keinen Klassenkampf, keine Volksaufstände, nicht einmal irgend eine grosse Verschwö- rung. In diesen reichen und fruchtbaren Ländern sind mancherlei Veränderungen vorgegangen, aber alle von oben, keine von unten. Das demokratische Element hat gänzlich gefehlt. Es hat Kriege der Könige und Kriege der Dynastien genug gegeben. Es sind Revolutionen in der Regierung, im Palast, auf dem Thron vorge- kommen, aber keine Revolutionen im Volk, H) keine Milderung des harten Looses, welches mehr die Natur, als der Mensch ihnen zugetheilt. Und nicht eher, als bis eine Civilisation in Europa ent- stand, kamen andre physische Gesetze ins Spiel und wurden andre Ergebnisse erzielt. In Europa gab es zuerst eine Annäherung an die Gleichheit, eine Neigung, jenes ungeheure Missverhältniss von Reichthum und Macht auszugleichen, welches hauptsächlich die schwache Seite der grössten und ältesten Reiche bildete, Als na- türliche Folge ist es Europa, wo Alles, was des Namens der Ci- vilisation würdig ist, seinen Ursprung genommen; denn hier allein sind Versuche gemacht worden, das Gleichgewicht in dem Verhält- nisse seiner Theilc zu erhalten. Hier allein hat sich die Gesell- schaft nach einem Plane geordnet, der zwar nicht ausreichend ist, aber doch umfassend genug, um alle verschiedenen Klassen, woraus sie besteht, einzuschliessen und so dadurch, dass sie für den Fort- schritt einer jeden Raum lässt, die Dauer und den Fortschritt des Ganzen zu sichern. Wie gewisse andre physische Eigenthiinrlichkeiten Europafs den Fortschritt der Menschheit durch Verminderung des Aberglaubens beschleunigt haben, wird am Ende dieses Abschnitts angedeutet werden; da dies die Erörterung einiger Gesetze, die ich noch nicht erwähnt habe, in sich schliesst, so scheint es rathsam, zuerst die gegenwärtige Untersuchung zu Ende zu führen; ich werde daher zu zeigen suchen, dass Alles, was wir eben über Indien gesagt, eben sowohl auf Aegypten, Mexico und Peru seine Anwendung 93)'Ein verständiger Beobachter sagt: "Auch ist es merkwürdig, wie wenig in Asiatischen Ländern das Volk mit den Revolutionen ihrer Regierungen zu thnn hat. Es wird nie von einem grossen und allgemeinen Antrieb oder Volksgcfühl geleitet und nimmt keinen Theil an Ereignissen, welche von dem höchsten Interesse und von der grössten Wichtigkeit für ihr Vaterland und ihr eigenes Gedeihen sind." MMm-do, On the cauntry of Sind]; in dem Journal of Aßiai- Svßieiy I, 250. Vergl. Herder, Ideen zur Geschichte III, 114, ja sogar Alisovfs History Qf Europe X, 419, 420.