128 gothische Der Umrahmungen der Portale, in den Tabernakeln der Strebepfeiler und an den Pfeilern im Inneren der Kirche Verwendung und vollendeten den vollen Ausdruck der Bestimmung des Baues. Der gedankliche Inhalt der Darstellung tritt hierbei viel deutlicher und verständlicher zu Tage, als dies bei den romanischen iiguralen Sculpturen der Fall War. In den seltensten Fällen wird die Figur ins Ornament verwebt, sondern sie behält ihre selbständige Be- deutung und fügt sich nur in ihrem ganzen formalen Habitus dem Wesen des Styles an. Fig. 113. Nur an einer Stelle des Baues wird die thierische und mensch- liche Figur in grottesker phantastischer Umbildung verwerthet. Es ist dies an den Wasserabläufen des Hauptgesimses oder ähnlicher Theile der Fall. Die sogenannten Wasserspeier, im griechischen Fia H4 und römischen Style in b" Form von Thierköpfen gebildet, werden hier zu i, axwßk" dmh" i, weit vortretenden oder (KW. i: vielmehr vorhängenden "i" Mill, Gestalten, in deren for- " lll-w- faxe maler Ausbildung die 7- freieste Phantasie, ge- l paart mit Witz und Satire, sich geltend ma- Gothischer XVasserspeier. chen Fig- x14- Endlich wird nament- lich im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderte der ganze Formen- apparat des gothischen Styles, ganz ohne Rücksicht auf seine ur- sprüngliche constructive Ableitung und Bedeutung, ins Ornament übertragen. Strebepfeiler und Strebebögen, Masswerk und Stab- Werk, Giebel, Fialen und Kreuzblumen werden zur Decoration von kleineren Bautheilen, Grabmonumenten, Kanzeln, Geräthen, Gefassen verwerthet und vollständig ornamental umgebildet, wobei besonders künstliche Durchdringungen und Durchschneidungen des Stabwerkes, ja Umbildung desselben im naturalistischen Sinne als Nachbildung von Astwerk, Krümmung der Fialen u. s. w. beliebt sind. Fig. 115. Alle Formen des gothischen Styles sind in erster Linie auf plastische Ausführung berechnet, doch schliesst dies die Bemalung derselben im Inneren der Kirchen keineswegs aus, im Gegentheile lassen die an verschiedenen Objecten erhaltenen Spuren der Be- malung den sicheren Schluss zu, dass die Polychromirung aller Theile