verkümmert worden war, als das liebstgehegte Ideal von "Aufgabe vor seiner Seele, und als er hoffte in S. Ludwig zu München eine solche Gommedia Divina, für Welche er sich stets als wauscrsehena geträumt, verwirklichen zu können, hatte er (1829) einen Brief voll Jubel an E. Linder geschrieben. Nun lag der Auftrag vor, und zwar in der Ausdehnung und in der (zyklischen Form, welche seiner episch-dramatischen Natur vorzugsweise zusagend war, in der Gestalt. in welcher Alles langst geistig vorgearbeitet war und die gleichsam nur des Pochens harrte, um aus den Tiefen seiner Phantasie her- vorzutreten. So begreift sich denn auch die ausserordentliche Pro- duktivität des sonst keineswegs leicht schaffenden Meisters, mit welcher er in einem Winter die Riesenaufgabe der Entwürfe zur Hälfte und nach seiner Rückkehr bis zum Frühjar 1845 fast ganz zu bewältigen vermochteit). Grösseres hatte Gornelius vordem nicht geschaffen, ja man darf sagen, Grösseres ist von deutscher Künstlerhand überhaupt niemals hervorgebracht worden. Nur ein Splitterrichtcr kann hier sein Urtheil von proportionalen Gebrechen wie zu kleinen Köpfen oder zu gestreck- ten Gliedmassen abhängig machen, welche Gebrechen überdiess in der Ausführung im Garton fast gänzlich verschwanden; denn sonst ist das Werk nicht bloss tadellos, sondern sogar über alles Lob erhaben. Der Meister selbst fühlteseinen gewaltigen Fortschritt und sprach es aus, dass er erst mit diesem Werke die Kunst wahrhaft angefangen habe. Dieser Aufschwung erscheint jedoch keineswegs als ein Bruch mit seinem eigenen Wesen und seiner Entwicklung: es ist vielmehr nichts von seiner Eigenart, dem markigen Schwung seiner Bewegung und der entschiedenen Charakteristik preisgegeben, im Gegentheil alles diess noch gesteigert, aber geläutert und zwar von innen und von aussen. Von Innen durch den Umstand, dass er die Ideen zu dieser Schöpfung sein ganzes Künstlerleben hindurch in sich getragen und so lange in seiner Phantasie verarbeitet hatte, dass unter dem Hammer seines Geistes der sprühende Kern von allen Schlacken sich befreit hatte; von Aussen durch die in der Besonnenheit des beginnenden Greisenalters wiedergenossene Ein-- Wirkung; von Michel Angelds und Raphaels monumentalen Malereien Zll 1m Museum Lpz. 1841. WVigand. Weimar, gest. T häter , mit (von Brüggemann), Text