704 Die iele. theatralischen Sp der Zeit der punischen Kriege durch Atellanen-Dichter eine regelmäfsigere Gestaltung und kamen in dieser Form als Nachspiele (exodiunz) der eigent- liehen Dramen auf die Bühne. Mit der Aufnahme dieser Stücke in die Reihe der scenischen Spiele gingen aber auch die Rollen 'in denselben in die Hände von Schauspielern von Profession über, und da, wenigstens nach den Begriffen der älteren Zeiten, der Stand der Schauspieler mit Infamie behaftet war und rechtlich dieser Grundsatz in der späteren Zeit noch fortbestand, so zogen sich natürlich die Bürger von der Selbstbe- tbeiligung an den Atellanen zurück. Gleichfalls eine Charakterkomödie, und ebenso wie die Atellane als Zwischenspiel, aber ohne stehenden Masken aufgeführt, war der THxiTILUS, ein durch heiteren Witz und derbe Späfse gewürzter Dialog, in dem die Erscheinungen des städtischen Alltagslebens in grotesk-komischer Weise nachgeahmt und meistenthcils in lasciver Weise pcrsiflirt wurden. In einer aus bunten Lappen zusammengesetzten IIarlckinstracht (centunculees), über welches ein Mäntelchen (ricinekmz) geworfen wurde, nur mit dünnen Sohlen an den Füfscn und mit dem vorgebundenen Phallus, spielte der mit dem ersten Rollenfach betraute archrinzinzus vor einer Gardine, welche die vor- dere Bühne von der hinteren trennte. Allen übrigen in der Posse auf- tretenden Personen, zu denen vorzugsweise der kahlköpfige Schmarotzer (parasitus oder stupidus) gehörte, waren nur Nebenrollen zugewiesen und secundirtcn sie das Spiel des Hauptacteurs nur durch gelegentliche Ant- werten, sowie durch Gesticulationen. Männer und Frauen bildeten das Personal dieses Possenspiels, und die Schamlosigkeit, mit welcher hier die gröfsten Obscönitäten dem Publicum vorgeführt wurden, räumte dem Mimus zur Zeit des Verfalls der Sitten eine bevorzugte Stelle in der Reihe der scenischen Aufführungen ein. Der pantomimus endlich entstand aus dem canticum der Komödie, in welchem der Schauspieler durch einen dramatischen Tanz und durch rhythmische Gesticulationen den Inhalt des von einem oder mehreren Sän- gern unter Flötenbegleitung vorgetragenen Textes darstellte. Bereits in den letzten Zeiten der Republik zweigte sich dieser darstellende Tanz als eine selbstständige Kunstgattung vom Drama ab und erreichte zur Kaiser- zeit in den Leistungen eines Pylades aus Cilicien und eines Bathyllos aus Alexandria die höchste Vollkommenheit. Der Stoff zu diesen Pantomimen war vorzugsweise aus der Mythen- und Heroengesehichte entlehnt, und während der Schauspieler den Inhalt durch Geberdenspiel darstellte, wo- bei derselbe sowohl männliche wie weibliche Rollen in buntem Wechsel hintereinander zu geben hatte, trug ein Chor unter Flötenspiel das der