Die theatralischen Spiele. 703 Schlufs des Stückes, während ein zweiter, siparium genannt, während der Zwischenacte oder bei der Verwandelung der Seene vielleicht wie eine in der Mitte sich theilende Gardine zur Seite gezogen wurde. Was die Schauspieler von Profession betrifft, so bestanden dieselben mit wenigen Ausnahmen aus Sklaven und Freigelassenen, welche zu 'I'1'oups (greges, catervae) vereinigt, unter einem donzinus gregis standen, zu welcher Stelle sich nicht selten der für das erste Rollenfach engagirte Schauspieler (actor primaruzn) hinaufschwang. Mit ihm trat derjenige Magistrat, Welcher mit der cum ludorum beauftragt war, in Verbindung und zahlte die Besoldung für die Schauspieler aus, welche, bei der stets wachsenden Vorliebe des Volkes für scenische Darstellungen, für ausge- zeichnete Künstler und erklärte Lieblinge des Publicums nicht unbedeutend war; und ebenso wie bei den circensischen Spielen besondere Belohnungen des Siegers harrten, belohnte auch der curator ludorwn den Schauspieler, welcher den meisten Beifall eingeerntet hatte, mit der Siegespalme oder dem Ehrenkranze, in der Kaiserzeit mit kostbaren Gewändern und Geld- geschenken. Zu dem Costüm der Schauspieler gehörte seit der Zeit des Terenz die Maske, während früher ein blonder, schwarzer oder röthlicher Kopf- aufsatz (galerus), dem Onkos der Griechen also vielleicht entsprechend, zur Bezeichnung des Alters getragen wurdel Der Maske anpassend, deren Form und Ausdruck, wie bei den unter Fig. 309 und 310 dargestellten, den verschiedenen Gattungen des Dramas entsprachen, war auch das übrige Costüm. Prachtvolle, schleppende Gewänder (syrmata) und der hohe Co- thurn (vgl. Fig. 311) gehörten zum Costüm des Tragöden; Kleider nach dem Schnitt des Alltagslebens, aber von möglichst grellen Farben, sowie niedrige Schuhe (soccus) zu dem des Komöden. Als besondere Gattungen der scenischen Darstellungen haben wir noch der atellanae, des nuänus und des pantmnimus zu erwähnen. Die Atel- lanae fabulae, ein nach der oskischen Stadt Atella benanntes und schon frühzeitig in Rom eingebürgertes, äeht nationales imd dem Charakter der Italiener zusagendes Possenspiel, wurde von jungen Bürgern in feststehen- den Charaktermasken aufgeführt. Zu diesen Masken der Atellanen, welche wir in der commedia delf arte noch heutzutage wiedererkennen, gehörte der Maccus (Arlechino), der Pappus oder-Casnar, der gute Alte und Sündenbock im Spiel (Pantaleone), der Buceo oder der Vielfrafs (Brighella) und der Dossennus, der buckliche Schlaukopf und Wahrsager (Dottore). Ursprünglich ohne jegliche bindende Form die städtischen Gewerbe, vor- zugsweise aber das Landleben parodirend, erhielten diese Volksspiele nach