Die amphitheatralischen Spiele. Thierhetzen. 699 Bestiarier mit verschiedenen wilden Thieren neben dem Theater des Mar- cellus, welches man im Hintergrunde erblickt, dargestellt ist; rechts springt ein Bär, in der Mitte ein Panther auf zwei Thierkämpfer, die zu ihrer Vertheidigung nur mit viereckigen Schildern, olfenen Helmen, kurzen Schwer- tern und die Unterarme umhüllenden Fascien bewalfnet sind; auf der linken Seite stürzt sich ein Löwe in gewaltigem Sprunge gegen einen dritten Thierkämpfer, dessen Arm er mit seinem Rachen gepackt "hat, während seine Tatzen sich in die Brust des Unglüeklichen bohren; ein vierter mit einem Schuppenpanzer bekleideter Kämpfer ist bereits von der Bestie zer- fleischt zu Boden gesunken. Bemerkenswerth ist es, dafs sämmtliche Thiere lederne, mit starken Ringen versehene Gurte tragen, an denen sie mittelst Stricke in ihren unter der Arena gelegenen Käfigen gefesselt waren. Dieser Darstellung fügen wir unter Fig. 501 und 502 zwei andere hinzu, welche Fig. 501. von dem mit den oben (S. 696) erwähnten Gladiatorenreliefs geschmückten Grabmal in Pompeji entnommen sind. Auf ersterer tritt ein mit zwei Wurf- spiefsen bewaffneter Bestiarius einem anspringenden Panther oder Tiger entgegen, welcher mittelst einer Jagdleine an einen Stier angebunden ist. Dieser, durch die Lanze eines anderen Bestiarius angetrieben, folgt in kurzem Trabe den Sätzen der wilden Bestie und hindert dieselbe zugleich, weiter zu springen, als eben die Länge des Strickes erlaubt. Wir haben hier unstreitig eines jener Thierbändiger-Kunststücke vor Augen, welche Fig 502 von zunftmäfsig eingeschulten Bestiariern pro- ducirt zu werden pflegten, ohne dafs sie selbst uhwä dabei gerade ihr Leben aufs Spiel setzten. Schon gefährlicher erscheint der Kampf des f i Bestiarius auf dem zweiten Basrelief (Fig. 502). Mit vorgehaltenem Tuch in der Linken, um das Thier zu blenden, ähnlich wie die Chulos bei den spanischen Stiergefeehten, dringt der am linken Arm und Bein durch Binden geschützte Thierkämpfer, mit blanker Waffe gegen einen Bären vor, und es erforderte eine grofse Uebung, dem Thiere im Augenblick des Anspringens das Tuch überzu- werfen und gleichzeitig den Todesstofs zu versetzen.