UQJU SPECT oder SPECTAT (spectatus) versehenen Tesseren haben sich bis jetzt etwa sechszig nachweisbar echte erhaltenb Die Bewaffnung der Gladiatoren unterscheidet sich in ihrer Form wesentlich von der der Legionare. Durch eine Anzahl aufgefundener Gladiatorenwalfen, sowie durch Darstellungen von Gladiatoren und ihrer Kampfesweise, wie solche vielfach auf Wandgemälden und plastischen Bildwerken vorkommen, sind wir vollkommen im Stande, uns die Form dieser Waffen zu vergegenwärtigen. Der Helm zunächst, dessen eigen- thümliche Form wir aus mehreren im Museo Borbonico aufbewahrten Exemplaren kennen lernen, erinnert wesentlich an die Helme des Mittel- alters. Bei dem unter Fig. 4940 abgebildeten erhebt sich über seinen Scheitel ein massiver mit Bildwerken geschmückter Kamm; zum Schutz der Stirn und des Nackens ist derselbe mit einer breiten Krempe um- geben, während ein aus vier Platten bestehendes Visir, dessen untere beiden Platten massiv und mit getriebener Arbeit versehen, die oberen beiden aber, um das Durchsehen zu ermöglichen, siebartig durchbrochen sind, den Helm schliefst und den Kopf des Kämpfers mithin vor Hieb und Stich sichert. Durch ein anders geformtes Visir ist der unter Fig. 4946 abgebildete Helm geschützt. Hier besteht das Visir aus zwei geschlossenen Metallplatten, in denen für das linke Auge eine runde, für das rechte Auge eine siebartig geschlossene Oednung angebracht ist. Aehnlich dem ersten ist der mit a bezeichnete Helm, welcher gleichfalls im Museo Bor- bonico aufbewahrt wird. Jedesfalls stellt sich aus einer Vergleichung der Denkmäler eine grofse Mannigfaltigkeit in der Kopfbedeckung der Gladia- toren heraus, zu der wohl einerseits die verschiedenen,Kampfesarten, andererseits das Bestreben des Lanisten, die von ihm gestellten Fechter in einer möglichst reichen und für den Theatereifect berechneten Weise auszu- stafliren, die Veranlassung gab. Der Gladiatorenschild war entweder vier- eckig, oval oder die kreisrunde Parma (vgl. Fig. 499), jedoch unterschieden sie sich von den beim Militär gebrauchten durch ihre gröfsere Leichtigkeit und zierlichere Gestalt. Von ganz abweichender Form ist freilich ein im Museo Borbonico auf bewahrter oblonger Schild mit abgerundeten Ecken, welcher an seinem oberen Theile zur freieren Bewegung des Oberarmes und der Schulter einen besonderen Ausbug hat. Der rechte Arm und die Hand, welche des Schutzes eines Schildes entbehrten, wurden oftmals mit einem Riemengefleeht umwickelt (vgl. Fig. 499), an dessen Stelle aber auch eherne Armschienen traten (Fig. 494g). Je nach den verschiedenen Gattungen der Gladiatoren 1 Vgl. darüber das Ausführlichere in der soeben erschienenen Schrift von Fr. Ritschl, Die Tesserae gladiatoriae der Römer. München 1864.