Das Ballspiel. 625 spiel erhalten hat. Mehrere Spieler, deren rechter Unterarm mit einem mit stumpfen Spitzen besetzten Holzring bewehrt ist, stellen sich in ziem- lieh grofsen Distanzen von einander auf; von einem der Spieler wird so- dann ein grofser Ball bis zu einer bedeutenden Höhe emporgeschleudcrt, während den Gegenspielern die Aufgabe zufällt, denselben, bevor er die Erde berührt, ohne ihn mit den Händen aufzufangen, im Fluge mit jenem Armringe zu pariren und dem ersten oder einem anderen der Mitspieler zuzuschleudern; ein die Muskelkraft und Gewandtheit der Theilnehmer ebenso förderndes, als für den Zuschauer höchst interessantes Spiel. Dieses war vielleicht jenes von den Römern mit expulsim Zudere bezeichnete Ballspiel, welches sich, wie so manche andere Spiele aus dem Alterthum, auf spätere Generationen fortgeerbt haben mag. Zwischen dem Follis und der Pila stand als dritte Art des Balls die paganica, ein mit Federn ge- füllter Ball, über dessen Anwendung wir aber nicht näher unterrichtet sind. Konnte nun das Spiel mit diesen Bällen von zwei oder einer gröfseren Anzahl Personen ausgeführt werden, so bedingte das als trigon oder pila trigonalis bezeichnete Ballspiel, wie schon der Name sagt, nur die Zahl von drei Theilnehmern, welche, wenn sie einige Uebung besafsen, die Bälle mit der linken Hand zu werfen und aufzufangen hatten. Eine unbestimmte Zahl von Mitspielern aber liefs das lmrpastzem zu, welches nach den Worten des Athenaeus früher apawivda (vergl. S. 266) genannt wurde und bei dem es sehr wild herzugehen pflegte. Von einer Person wurden ein oder mehrere Bällc in ziemlich gerader Richtung in die Höhe geworfen, und jeder der in seiner Nähe postirten Mitspieler suchte denselben aufzufangen, ein Spiel, welches ja auch bei unserer Jugend noch üblich ist. Für alle diese Spiele war der Ballspielplatz bestimmt, welcher eben nach dem beliebtesten und dem am häufigsten auf ihm gepflegten den Namen vSphae- risteriumß erhalten hat. Einen Blick in solches Sphaeristerium gewährt uns das unter Fig. 263 abgebildete Wandgemälde aus den Thermen des Titus, welches wir an jener Stelle zur Veranschaulichung des grie- chischen Ballspiels mitgetheilt haben. Dafs übrigens, wie bei uns, die Strafsen und öffentlichen Plätze in Rom, vorzüglich der Raum vor den Tabernen der Fleischer auf dem Forum, von jugendlichen Ballspielern als improvisirtes Sphaeristerium benutzt wurden, wird mehrfach bezeugt. 100. Der in früheren Abschnitten bereits mehrfach geschehene Hin- weis auf den bürgerlichen Verkehr veranlafst uns, auf die dem Erwerbe zugewandten Beschäftigungen der Römer in und aufser dem Hause, soweit dieselben zunächst mit dem Begriff des Handwerks zusammenfallen, näher 40