Die Tracht. Männer. Haartracht der Kopfbedeckung der Frauen. 589 wieder mehr in Aufnahme. Den besten Anhaltspunkt für die Tracht bieten die Münzen, welche wenigstens bis zur Zeit des Constantin eine ununter- brochene Reihe ähnlicher Portraitköpfe der Kaiser liefern, während bei den späteren Münzen zugleich mit der Verschlechterung der Typen über- haupt auch jede Portraitähnlichkeit schwindet. Und in der That erscheinen auf den Kaisermünzen die Kaiser nach Hadrian mit vollen Bärten und nur einige derselben, wie z. B. Elagabalus, Balbinus, der jüngere Philippus und Hostilianus, sind stets mit glattem Kinn dargestellt. Bei der Sorgfalt nun, welche die Römer auf die Cultivirung des Bartes und Haares verwandten, war es natürlich, dal's das Halten von Barbierstuben überall ein höchst einträgliches Gewerbe bildete. Mit Scheermessern (novaczela), Zangen zum Ausrupfen der Barthaare (volsellae), Scheeren (awisia), mit verschiedenen Salben zum Vertilgen der Haare, mit Kamm (passten), Kräuseleisen (cala- mistrunz), Spiegel (speculunz) und den nothwendigen Handtüchern waren schon damals die Barbierstuben ausgestattet, welche, wie in Griechenland (vergl. S. 193 f.) so auch in Italien, den täglichen Sammelplatz für die Müfsiggänger und das Cerftrum alles Stadtgeklatsches bildeten. Freilich dürfte der winzige Raum, welcher in der Mercurstrafse zu Pompeji neben der Fullonia als Barbierstube bezeichnet wird, sich wohl zu klein er- weisen, um gleichzeitig eine gröfsere Anzahl Personen zu fassen. Mög- lieh, dal's die Hauptstadt glänzendem und geräumigere Localitäten aufzu- weisen hatte. Fast ebenso wenig Mannigfaltigkeit, wie die Kopfbedeckung der Männer, bot die der Römerinnen dar. Frauenhiite scheint es nicht ge- geben zu haben; hingegen wurde ebenso, wie von den Männern die Toga, so von den Frauen die Palla sehr häufig über den Hinterkopf bis zum Scheitel hinaufgezogen (vergl. Fig. 469). Noch bei weitem kleidsamer War der auf dem Scheitel befestigte Schleier (Fig. 470), welcher in langen Falten über den Nacken und Rücken herabwallte, eine Tracht, bei welcher die Damen ebensoviel Grazie, als Coquetterie entwickeln konnten. Mehr auf den Schutz des Kopfes, sowie auf Erhaltung des bereits geordneten Haares berechnet war die mit'm, ein haubenartig um den Kopf geknüpftes Tuch, ähnlich dem Sakkos der Griechinnen, wie solches auf dem die Schmückung der Braut darstellenden Wandgemälde (Fig. 470) die Dienerin, sowie auf der aldobrandinischen Hochzeit (Fig. 235) die vor dem Braut- gemach opfernde weibliche Figur trägt. Die Stelle dieser Haube vertraten nicht selten Thierblasen. Ueberall bedeckte, wie aus den bildlichen Dar- stellungen hervorgeht, die Mitra den Kopf nur bis zur Mitte des Scheitels, während vorn das Haar in anmuthigen Wellenlinien gescheitelt wurde.