362 Verschmelzung der griechischen und italischeu Tempelform. sungen desselben zeigen. Eine der schönsten läfst sich am Pantheon (vgl. Fig. 340 bis 342) erkennen, von dem eine Säule nebst Gebälk unter Fig. 326 dargestellt ist. In späterer Zeit tritt eine gewisse Ueberladung ein und es entsteht durch l-linzufügung der ausgebildeten Voluten der ioni- sehen Ordnung das sogenannte composite Capitell, von dem unter anderen Desgodetz (V, 17) und Cameroon (Baths of the Romains, pl. 30) bezeich- nende Beispiele anführen (vgl. auch den Triumphbogen des Titus, Fig. 417). 65. Wir haben oben 63) die Gründe nachgewiesen, auf denen die Einführung griechischer Tempelformen in die römische Architektur beruhte. S0 frühzeitig dieselben auch eintraten und so nachhaltig ihre Wirksamkeit auch war, so konnte es doch nicht fehlen, dal's die altita- lische Sitte auch eine gewisse Rückwirkung auf die von den Griechen ent- lchnten Formen ausübte. Vor allem mufste die Rücksicht auf den hei- mischen Cultus und die dadurch bedingte Form des templum (s. o. 5 61) darauf hinführen, die den Anforderungen desselben am meisten entsprechende Form der griechischen Tempel auszuwählen und mit Vorliebe anzuwenden, und daran konnte sich in zweiter Reihe auch eine gewisse Umgestaltung der griechischen Anlage knüpfen. Nun muls aber bemerkt werden, dal's von den griechischen Tempelformen keine den Bedingungen des italischen Cultus mehr entsprach, als die des Prostylos. War doch der toscanisehe Tempel, indem er aus Rücksicht auf die Himmelsschau in seinem vorderen Theile nur durch Säulenstellungen eingenommen wurde, selbst ein Pro- stylos. Und so ist es denn leicht zu erklären, dal's in der That auch keine griechische Tempelform von den Römern häufiger, als die des Pro- stylos, zur Anwendung gebracht worden ist. Keine war übrigens auch so geeignet, durch eine höchst einfache und nahe liegende Erweiterung den Erfordernissen des italischen Cultus noch mehr angepafst zu werden. Man durfte nämlich nur die bei dem griechischen Tempel um eine Säule vorspringende Vorhalle erweitern und dieselbe statt mit einer mit zwei oder mehreren Säulen vorspringen lassen, und man gelangte auf die aller- natürlichste Art zu einer Anlage, die dem etruskisch-römischen templum in xsehr augenscheinlicher Weise entsprach, und in welcher die vordere nur von Säulen umgebene Hälfte (pars ant-ica ä 61) der hinteren, von der Cella eingenommenen (postica) an Gröfse fast gleich war und die Cellen- thür somit, als Standpunkt des Augurs, entweder vollständig oder doch annäherungsweise in der Mitte des Tempels sich befand. Dies ist in der That vielfach geschehen und die daraus hervorgehende Form eines Prostylos mit weit vorspringender Vorhalle ist so häufig von den Römern