250 Gymnastik und Agonisük. Der Wettlauf. Schildl. Als Vorübung für den Felddienst war dieser Waffenlauf unstreitig von grofser Wichtigkeit, und Platon verlangt, mit Hinblick auf den krie- gerischen Zweck, dafs derselbe nicht nur auf der kurzen Bahn des ein- fachen Laufes, sondern sogar im Langlaufe geübt werden müsse. Wissen wir doch, dafs die Griechen, ähnlich der im französischen Heere einge- führten Taktik, die feindlichen Schlachtlinien nicht selten im vollen Lauf an- zugreifen pflegten, wie unter anderem von der Schlacht bei Marathon be- richtet wird. Wie alle übrigen Uebungen wurde auch der Wettlauf völlig unbekleidet ausgeführt, nur in früheren Zeiten pflegten die Wettkämpfer einen Schurz um die Lenden zu tragen. Die Wettläufer nun, welche bei dem Agon als Bewerber um die Preise auftraten, wurden in Abtheilungen (zoifaag), deren jede, wie aus den Monumenten hervorgeht, aus vier Ago- lnisten bestand, an den Ablaufsstand geführt, und hier entschied das Loos über die Reihenfolge, in welcher der Lauf jeder Abthcilung beginnen sollte. Jede Anwendung von List und Gewalt oder Bestechung, um dem Mitlaufenden den Vorsprung abzugewinnen, war streng untersagt. Hatten nun die ein- zelnen Abtheilungen den Wettlauf ausgeführt, so mufsten die Sieger in jeder derselben untereinander einen neuen Wettlauf beginnen, und in diesem ent- schied es sich erst, wem der Siegerkranz oder der Preis zu Theil werden sollte. Solche Wettläufe, von vier Männern oder Epheben ausgeführt, er- blicken wir mehrfach auf panathenäischen Preisvasen. Gänzlich unbekleidet erscheinen hier die Laufenden und ihre lebhaft geschwungenen Arme scheinen die Schnelligkeit der Beine zu untcrstützena. Als eine Gattung des Wettlaufes haben wir auch die unter dem Namen des Faekcllaufes (Äaurrozöoyögouia) bekannte nächtliche Feier zu betrachten, welche in einigen Staaten Griechenlands zu Ehren einzelner Gottheiten, wie z. B. zu Athen an den grofsen und kleinen Panathenäen, an den Hephiisteen, den Prometheen, an dem Feste des Pan, im Piräus an den Bendideen zu Ehren der Artemis, in Korinth an dem Feste der Athene Hallotia u. s. w., an- gestellt wurden. Bei diesen nächtlichen XVettläufen kam es darauf an, eine Fackel brennend bis zum Ziele zu tragen. Zwei solche mit Rund- schilden bewaffnete und Fackeln in den Händen schwingende Epheben sehen wir auf einem Vasenbilde (Gerhard, antike Bildwerke. Cent. I, 4. Taf. 63) im Wettlauf begriffen; auf zwei anderen Gefäfsen dagegen (Tisch- bein, Vas. d'Hamilton. Taf. III. pl. 48 und ll, 25) reicht Nike einem von erscheinen mehrere solcher mit it. di corrisp. archeol. I. Tav. 22; 1 Auf einer Kylix des Berliner Museums (N0. 887) Schild und Helm gerüsteter Krieger im Waffrnlauf. 3 Mus. Gregorianum. II. 'I'av.42; Monum. ined. d. ins! Gerhard, antike Bildwerke. Cent. l. Taf. 6 u. a. m.