Wie in der geistigen Ausbildung, zeigte sich aber auch in der physischen Erziehung ein Unterschied bei den verschiedenen Stämmen Griechenlands. Während in den dorischen Staaten, und hier besonders in Sparta, die physische Erziehung die Jugend durch Abhärtung des Körpers gegen Schnierz und durch Ertragung von Beschwerden für ihre Bestimmung als kampfgerüstete Bürger vorbereitete, ward in den ionischen Staaten, vor- zugsweise aber in Athen, eine gleichmäfsig harmonische Ausbildung des Leibes und der Seele angestrebt, und hier trat in der körperlichen Er- ziehung vorzugsweise das Streben nach Ebenmafs und Gefügigkeit (signif- pia und sziagnoozia), nach Anstand und Grazie in den Vordergrund. Die Anfänge der Gymnastik und Agonistik wurzelten schon in der mythischen Zeit, wenn auch die' einzelnen Uebungcn noch damals der planmäfsigen Anordnung und der Gesetze entbehrten, welche die späteren Zeiten der Gymnastik bezeichnen. Die Feste der Götter und das Andenken an Heroön wurden bereits im hohen Alterthum durch festliche Spiele ver- herrlicht, bei denen auf körperliche Gewandtheit und Leibeskraft berechnete Wettkämpfe eine bevorzugte Stelle einnahmen. In diesen der mythischen Zeit angehörenden Wettkämpfen lagen die Anfänge der späteren schul- gerechten Turnkunst, deren Ausbildung durch die lykurgische, sowie durch die solonische Gesetzgebung wesentlich gefördert wurde. Sind wir auch mit den für die einzelnen gymnastischen Uebungen bestimmten Räumlichkeiten durch die im g25 angestellten Betrachtungen bereits vertraut geworden, so nöthigt uns doch die schwierige und noch keinesweges zur Genüge gelöste Frage über die Scheidung des Gymnasien von der Palästra, noch einmal auf die bauliche Anlage mit wenigen WVorten zurückzukommen. Von jenen in der heroischen Zeit innerhalb oder bei den Städten gelegenen Uebungsplätzen, auf welchen eineTrennung der Räumlich- keit nach den in ihnen ausgeführtenWettkämpfen noch nicht stattfand, kann hier natürlich nicht die Rede sein. I)afs aber in der historischen Zeit, als bereits die Ausbildung der Gymnastik gesonderte Räumlichkeiten für die einzelnen Gattungen der Leibesübungen erforderte, eine Trennung der Pa- lästra von dem Gymnasion eingetreten war, kann wohl mit Bestimmtheit angenommen Werden, wenn auch die schriftlichen Zeugnisse des Alterthums sich durchaus darin widersprechen. So bezeichnet Herodot den Dromos und die Palästra mit dem gemeinsamen Namen yvyvofmce, während Vitruv Gymnasien und Palästra unter dem Ausdruck Palästra zusammenfafst. Die Palästra war aber jedesfalls in früherer Zeit eine besondere Baulichkeit, mochte dieselbe mit dem Gymnasien verbunden sein oder abgesondert von demselben liegen. Erst zur Kaiserzeit scheint der Unterschied zwischen