232 Tonkunst. Saiteninstrumente Kithara. dünnen Holz-, Metall- oder Elfenbeinplatten wird hier ein meistentheils viereckiger, nicht selten jedoch auch halb oval gebildeter Schallkasten her- gestellt, welcher zur Verstärkung der Resonanz in zwei ebenfalls hohle Arme-verlängert ist, die an ihrer Basis wenigstens dieselbe Dicke wie der Schallkasten haben. Die Gröfse des letzteren, die Entfernung der Arme von einander, sowie ihre Länge, richtete sich einmal nach der gröfseren oder geringeren Zahl der Saiten, mit welchen das Instrument bespannt werden sollte, dann nach der stärkeren oder schwächeren Resonanz, welche man dem Instrumente zu geben beabsichtigte, endlich nach des Instru- mentenbauers (Ävgonoaög) Geschmack, welcher bei der Ornamentirnng gerade dieser Form von Saitenspielen sich im reichsten Mafse entfalten konnte. Die Stärke des Schallkastens mag wohl ungefähr der unserer Guitarren gleichgekommen sein. Von den mannigfachen Formen, unter denen die Kithara auf Denkmälern erscheint, haben wir unter Fig. 241 a, b, c, d, e eine kleine Auswahl getroifen. Sie gleichen theilweise, namentlich die unter Fig. 241. ß c abgebildete, vollkommen der noch heutzutage in Süddeutschland gebräuch- lichen Cither. Sämmtliche Formen haben fast durchweg etwas Gefälliges; besonders aber machen wir auf jene unter d dargestellte Prachtkithara aufmerksam, in welcher wir unstreitig eine Nachbildung der oftmals aus Metall oder Elfenbein verfertigten Kitharen erkennen dürfen. Dieser von uns aus der Vergleichung der Construction der Schallkasten gefolgerte Unterschied zwischen der Kithara und Lyra, wie solcher aus der Musterung der Monumente sich ergiebt, findet sich nun freilich von den griechischen Schriftstellern nicht ausgesprochen. Dafs aber auch das Alterthum unter- scheidende Merkmale für diese beiden Gattungen der Saiteninstrumente annahm, geht aus den schriftlichen Zeugnissen deutlich hervor, und wird vorzüglich durch das unter Fig. 239 abgebildete Vasenbild bestätigt, auf welchem die drei Musen als Repräsentantinnen der drei Hauptformen der besaiteten Instrumente erscheinen. Die kunstreichere Construction der Ki-