230 Tonkunst. Saiteninstrumente: Lyra. Ränder die Saiten gespannt wurden wir haben uns den Urtypus dieser Lyra vielleicht in derselben Form zu denken, wie noch heutzutage bei einzelnen Völkerschaften der Südsee derartige mit Saiten überzogene Schalen im Ge- brauch sind. Nur in der Sage freilich ist uns die primitive Gestalt dieses Saiteninstrum-cntes aufbewahrt. Die künstlerischen, sowie die schriftlichen Zeugnisse des Alterthums kennen hingegen die bereits ausgebildete Lyra. Hatte man bei jener ältesten Form der Lyra nur den Rückenschild der Schildkröte verwendet, so wurde jetzt der zusammenhängende Rücken- und Brustsehild dieses Thieres als geschlossener Schallkasten benutzt, und in die natürlichen Oeffnungen dieses Panzers, aus welchem die Vorderbeine herausragen, die gewundenen Hörner der Ziege mit ihren Wurzelenden befestigt, welche in der Nähe ihrer Spitzen durch ein Joch verbunden Wurden. Ueber dieses Gestell wurden die Saiten, welche mehr als die doppelte Länge hatten, als die auf jener mythischen Leier, in folgender Weise gespannt: man befestigte auf dem Brustsehilde der Schildkröten- schale, denn nur diese Seite, als die allein flache, konnte bezogen werden, einen Steg, über welchen die etwas tiefer in den Schallkasten vermittelst Knoten befestigten Saiten bis zum Joche fortliefen und hier entweder ein- fach umgeschlungen oder durch Wirbel in Spannung erhalten wurden. Zum besseren Verständnifs haben wir unter Fig. 240a, b, c, d, e eine An- Fi g. 240. l' 4 x, m 11m " 111; zahl Lyren abgebildet, von denen namentlich die mit c bezeichnete den aus der vollständigen Schildkrötensehale gebildeten Sehallkasten uns vergegen- wärtigt. Die Arme (nnxsag) sind bei c, d, e von Ziegenhörnern gebildet, welche, wie wir später bei der Beschreibung der Waffen sehen werden, auch zum Anfertigen der Bogen benutzt wurden. Bei den unter a und b dargestellten Lyren hingegen erscheinen diese Arme von Holz gearbeitet. Unklar freilich ist die Construction des Sclxallkastens bei der unter e ab- gebildeten Lyra, bei der derselbe in der Mitte eine grofse kreisförmige OelT- nung zeigt. Ebenso unsicher dürfte aber auch die Classiüeirung des unter