196 Die Tracht. Die weibliche Kopfbedeckung und Haartracht. edlen weiblichen Köpfe antiker Bildhauer- und Stempelschneidekunst, und man wird sich einen Begriff von der Grazie und ausgesuchten Eleganz machen können, mit welcher die Griechinnen ihr Haar zu ordnen verstan- den; alle Moden der Neuzeit, selbst die unschönsten, dürften aber bereits, wenn auch nicht im griechischen, so doch im römischen Alterthum ihre Vorbilder gefunden haben. Sehr beliebt war es unstreitig, das Haar lang- gekiimmt in Wellenlinien über den Rücken herabwallen zu lassen. Ein einfaches um den Vorderkopf geschlungenes Band pflegte alsdann die Scheitelhaarc mit dem Hinterhaar zu verbinden. Dieses Arrangement der Haare erblicken wir beispielsweise bei den Jungfrauen auf dem Fries des Parthenon, sowie bei einer Büste der Niobe (Müllers Denkmäler I. Taf. XXXIVc). Auf älteren Monumcnten, wie bei der Gruppe der Cha- riten auf dem dreiseitigen Altar im Louvre, ist das Scheitelhaar in kleine Löckchen gelegt, während das Hinterhaar theils glatt über den Nacken zurückfallt, theils in lange bis auf die Schulter herabhängende Locken gedreht ist. Ebenso gebräuchlich war es, das an den Schläfen und über das Ohr hin in Wellenscheitel zurückgestrichene Haar mit dem Hinterhaar in einen geschmackvollen Knoten zu verschlingen (xögvttßol, Fig. 226g, Auch hier kam jenes um den Kopf geschlungene Band in Anwendung. Dasselbe bestand entweder aus einem Zeug- oder Lederstreifen, welcher häufig an der Stelle, wo derselbe auf dem Vorderkopf ruhte, mit einer frontispizartig gestalteten Metallplatte verziert war, welche mit dem Namen Stephane (ovstpoiuq) bezeichnet wurde (Fig. 22Glz). Diese hohe, oft reich verzierte Stephane erblicken wir vorzugsweise auf Denkmälern als Haar- schmuck für Göttinnen, wo dieselbe aber alsdann nicht mehr als ein zum Festhalten des Haares nothwendiges Band, sondern als ein breiter Metallreifen erscheint, welcher zum Schmuck auf den Kopf gesetzt wurde. So bei der Büste der Here in der Villa Ludovisi, bei der Statue der Here im Vatican und bei der in Capua gefundenen Statue der Aphrodite (Müllers Denkmäler II. T af. IV. N0. 54, 5G, 268). Zum künstlichen Arrangement des Haares bedienten sich aber die Griechinnen aufserdem einer in der Mitte breiten und an den Enden schmal zulaufenden, oft reich verzierten Binde von Zeug oder Leder, welche nach ihrer Aehnlichkeit mit der Schleuder otpsvdövq genannt wurde. Dieselbe wurde entweder mit der breiten Seite über den Vorderkopf gelegt und nach hinten mit den an ihren Enden angebrachten Bändern in den Wulst des Hinterhaares ver- schlangen, oder umgekehrt dergestalt auf dem Kopfe befestigt, dafs der breitere Theil den ineinander verschlungenen Haarschopf trug, die Enden aber auf dem Vorderkopfe künstlich zusammengeknüplt waren. Letztere