194 Die Tracht. Die männliche Haartracht. phron (III, 66), in der es hcifst: vDu siehst es, wie der verfluchte Barbier dort an der Strafse mit mir umging, jener Schwätzer, der den brundisi- sehen Spiegel aufstellt, Raben zahm macht und mit Messergeklimper ein harmonisches Getöse erregt. Ich kam zu ihm, mir den Bart scheeren zu lassen; er empfing mich willig, setzte mich auf einen hohen Stuhl, gab mir ein reines Tuch um, und führte mir das Scheermesser recht gelinde über die Backe, die dichten Haare abzunehmen. Aber eben hier bewies er mir seine boshafte Tücke. Er that es nur zum Theil, nicht am ganzen Kinn; es blieb also an manchen Orten rauh, an anderen aber war es glatt, ohne dafs ich es merkte." Namentlich seit Alexanders des Grofsen Zeit wurde das Geschäft des Rasirens ein sehr einträgliches, da das Tragen eines vollen, starken Bartes (rmiywv 30:96; oder dadzig), welcher früher als Zeichen der Männlichkeit und Würde galt, trotz des Widerstandes. den einige Staaten dieser neuen Mode entgegensetzten, völlig abkaml. Auf Kunstwerken, namentlich bei Portraitstatuen, erscheint die Form des Bartes stets als charakteristisch für das dargestellte Individuum. Meistentheils in zierliche Locken gelegt, bedeckt derselbe Kinn, Lippen und Wangen, jedoch ohne Sonderung des Kinn- und Schnurrbartes. Nur in jenen Werken der Plastik, welche in der Gesichtsbildung, in ihrer Bewegung und in der Form der Gewandung eine conventionell archaistische Behandlung selbst neben einer freien Entwickelung der Kunst bewahrten, erscheint der keilformig zugespitzte, in langgezogenen Wellenlinien gekämmte Bart scharf abgegrenzt und der Schnurrbart von dem übrigen Theile des Bartes abgesondert be- handelt. Als Beispiel hiefür führen wir jenen edelgestalteten, mit der Stephane gezierten Zeuskopf aus der Talleyrandsehen Sammlung an. In Bezug auf die Farbe der Haare bemerken wir, dafs, neben der dem Südländer eigenthiimlichen dunklen Schattirung derselben, auch die gold- gelbe als eine besondere Zierde galt. So giebt Homer dem Menelaos, dem Achilleus und Meleagros goldgelbe Locken und ebenso malt Euripidcs den Menelaos und Dionysos mit hellblondem Haupthaar (Eavßoioo ßodzgü- xoaow siixoopog xdgmv). 45. Was die Kopfbedeckung des weiblichen Geschlechts betrifft, so hat das Altertlnnn glücklicher Weise uns nicht eine solche Auswahl von Mifsgeburten Pariser Geschmacks hinterlassen, welche gegenwärtig unter dem Namen von Damenhiiten figuriren. Frauenhüte scheint das griechische 1 Einer Erzählung zufolge sollen in der Schlacht bei Arbela viele lilakedonier dadurch getödlet worden sein, dal's die Perser sie bei ihren langen Bärten ergriffen und zu Boden rissen, weshalb Alexander noch während der Schlacht seinen Truppen die Bärte ahscheeren liefs.