188 Die Tracht. Farbe der Gewänder. Iland der Künstler besonders bewährt. Beispielsweise machen wir auf den in unzählige zarte Falten gelegten Chiton aufmerksam, welcher den Rücken der jüngsten Tochter der Niobe bedeckt, die in die Kniee gesunken im Schoofs der Mutter Schutz sucht gegen Artemis, vernichtende Geschosse; in der Malerei dürften einige Wandgemälde von Pompeji als Belege dienen. Was die Farbe der Kleider betrifft, so ist die von früheren Archäo- logen aufgestellte Behauptung, dal's die weifse Farbe die in Griechenland allgemein übliche gewesen sei, buntfarbige Gewänder dagegen als ein Zeichen leichtfertiger Sitten gegolten haben, bereits genügend zurück-' gewiesen worden (Becker, Charikles lll. S. 194 Im Allgemeinen kann man wohl annehmen, dafs bei den mantelartigen Kleidungsstücken, welche wir oben unter der Bezeichnung der Epiblemata zusammengefafst haben, die weifse Farbe die vorherrschende gewesen sei. Noch heutzutage tragen die orientalischen Völker den weifsen wollenen Burnus als Schutz gegen die Sonnenstrahlen, daneben aber auch den braunen von der ungefarbten Wolle des braunen Schafes gewebten Mantel. So waren auch in Griechen- land neben den weifsen die dunkelfarbigen Mäntel eine bei den Männern beliebte Tracht, und unstreitig hatten die buntfarbigen orientalischen Ge- wänder wenigstens bei der reicheren Bevölkerung Griechenlands Aufnahme gefunden. Auch bei den Frauengewändern waren neben der, für sittsame Frauen jedesfalls vorherrschenden weifsen Farbe, buntgefärbte Stolfe im Gebrauch. Dafür sprechen, auch abgesehen von den schriftlichen Zeug- nissen des Altcrthums, nicht nur eine Anzahl kleiner bemalter Statuetten aus gebranntem Thon, sondern auch mehrere mit Gewandfiguren bemalte Lekythoi aus attischen Gräbern. Ist auch der ursprüngliche Farbenton der Gewänder, vorzüglich das Roth, durch Feuer in etwas verändert, so läfst sich derselbe doch überall noch deutlich erkennen. So trägt beispiels- weise auf dem in unserem Buche unter Fig. 318 dargestellten Vasenbilde die weibliche Figur linker Hand einen safrangelben (xgoxwzoi), vielleicht die Farbe der Byssos nachahmenden Chiton und einen violetten Peplos, während der Chiton der zur rechten Seite stehenden Frau goldbraun ist. Ebenso erscheinen" die Männer in diesen Bildern mit kirschfarbiger Chlamys und rothem Himation, Charon aber in der dunkelfarbigen, bei den Sehiffern gebräuchlichen Exomis (vgl. Stackelbergs Gräber der Hellenen, Taf.43--45). Jedesfalls haben wir hier sowohl im Schnitt als in der Farbe der Ge- wänder dem alltäglichen Leben entnommene Muster vor Augen. Sämmtliche Gewandslücke wurden häufig durch angewebte Borduren, durch eingewebte Muster, sowie durch Stickereien verziert. Die einfachste derartige Bordure, mochte sie angewebt oder auf das Gewand aufgesetzt