56 Tempelbezirke. Portale. schmückt ist (Fig. 42). Zu Athen fand Stuart einen achteckigen Altar, der mit Blumengewinden, Stierschädeln und Opfermessern verziert ist (F ig. 43). Ein runder Altar aus weifsem Marmor mit einer ähnlichen Verzierung und mit einem kleinen Aufsatz versehen, ist auf der Insel Delos gefunden wor- den (Fig. 44). Kostbares Tempelgeräth, wie Leuchter, Schalen oder kleine Weihgeschenke, wurden auf Tischen aufgestellt, wie dies unter Anderem aus einer unter Fig. 45 mitgetheilten Terracotta hervorgeht. 16. Den höchsten Glanz aber entfaltete die griechische Baukunst da, wo innerhalb eines bestimmten den Göttern gewidmeten Raumes mehrere Tempel errichtet wurden, so dal's theils durch den Gegensatz verschiedener Gebäude, theils durch das harmonische Zusammenwirken derselben ein Eindruck von Gröfse, Pracht und Schönheit hervorgerufen wurde, den man sich heut zu Tage nur sehr schwer vergegenwärtigen kann, der aber in der Tbat Alles zusammenfassen mufste, was das Gemüth der Griechen zu frommer Andacht, zu heiterem Genufs und zu dem frohen Stolz eines erlaubten Selbstgefühls erheben konnte. Es sind uns mehrere solcher heiligen Orte bekannt, die sich auf diese Weise zu Mittelpunkten griechi- schen Lebens erhoben haben. Man denke nur an Olympia mit seinem heiligen Haine Altis, in Welchen eine kaum zu übersehende Fülle hau- lieher und bildlicher Monumente zusammengedrängt war, und wo die zu Ehren des Zeus gefeierten Spiele die Schönheit, Kraft und Gewandtheit der griechischen Jugend bekundeten, die dann ihrerseits wieder der künst- lerischen Darstellung die herrlichsten Vorbilder und den reichsten Anlafs darboten. Aehnlich haben wir uns die heiligen Bezirke anderer F estorte zu denken, in denen nicht selten noch Wettkämpfe in Musik, Gesang und Dichtkunst zu den gymnastischen Uebungen hinzutraten, die in Olympia den Hauptgegenstand der Festfeier ausmachten. Auch wo dies nicht der Fall war, liebte man es, mehrere Heiligthümer zusammen zu bauen. In Girgenti sieht man noch jetzt die Tempel in einer Reihe auf einer dem Meere zugewendeten Anhöhe liegen; in Selinunt bilden dieselben zwei Gruppen auf zwei Hügeln, und in Paestum scheinen die drei daselbst er- haltenen Tempelruinen ebenfalls einer Tempelgruppe angehört zu haben. WVerfen wir zum Besehlufs dieser Schilderung noch einen Blick auf einige solcher Tempelbezirke, die aus den Ruinen erkennbar sind, so be- darf es zunächst wohl kaum einer Bemerkung, dafs auch die Eingänge in einer der Heiligkeit und Schönheitsfülle des Ortes selbst entsprechenden Weise ausgestattet werden mufsten. In der Bildung dieser Eingänge mufste sich die Bedeutung des Raumes, zu dem sie hineinführten, schon erkennen