war; denn das Bedürfnis, sich einen eigenen Raum, eine Umfrie- dung zu schaffen zu dem Zwecke, sich innerhalb derselben vor den Unbilden der Außenwelt zu schirmen, ist eben schon auf der ersten Bildungsstufe ein dem Menschen unvermeidliehes. Diesem frühen Bedürfnisse aber genügte auf die vollständigste und zweckentspreehendste WVeise die aufgespannte Teppichwand, wenn man will, das Zeltß) In ganz analoger Weise wie als YVand, d. i. als seitlicher Abschluss, functioniert der Teppich auch als Bekleidung des Bodens und als Decke, also als Abschluss nach Oben und Unten. Als Fußbodenbelag erfüllt er unmittelbar den Zweck, eine weiche und trockene Unterlage zu geben, den Menschen vor den Rauheiten und der Nässe des Erdbodens zu schützen. Als Decke oder Dach hat er eine zum Theil mit der YVantl verwandte Function, nämlich insoweit er, gleich dieser, die von oben eindringenden atmosphärischen Einflüsse und die Sonnenstrahlen abzuhalten bestrebt ist, weshalb auch im primitiven Zeltdach Wand und Decke noch miteinander zu einem Ganzen verbunden sind. Ihre Trennung in eine verticale Wand und in ein selbständiges Dach ist erst die Folge des Bedürfnisses nach Vergrößerung des Raumes, welcher durch die schräge Stellung der Zeltfittchen allzusehr ein- geengt wird. Nach alledem haben wir die YVand, den Fußboden- belag und die Decke als die drei wesentlichen und primitiven Motive eines vollständigen Raumabschlusses zu betrachten; den Teppich aber als das ursprüngliche Vorbild und den Repräsen- tanten dieser drei lllotivefl) Leider reichen die Zeiten dieser allerersten baulichen Praxis zu weit zurück, als dass noch Überreste derselben sich erhalten hätten. i) Ist solcherart der Teppich in der That der Hauptbestandtheil der primi- tiven Umfriedung, so fehlt ihm doch wiederum an und für sich naturgemäß jene Steifheit, welche nöthig ist, soll er als ein in sich festes Ganzes einen Rauln" wirklich abschließen. Dies zu bewirken und so vollends den Teppich in seiner Natur als raumabschließende Fläche zur Geltung zu bringen, ist das tektoni- sche Gerüste bestimmt. Wir werden dem Verlauf unserer Untersuchungen nicht ullzusehr vergreifen, wenn wir schon an dieser Stelle das Wesen des tektonischen Gerüsten mit einem Wort bezeichnen: als eine Zusammenfügung starrer, stahförmiger Theile zu einem rahmen- oder gitterartigen System. Indem wir uns nun den Teppich innerhalb des Umfanges der Rahniung ausgespannt denken, haben wir das- Motiv der textilen Wand, die primitive Form des Raumabschlusses vor uns. 2) Freilich hat selbst diese primitive textil-tektonische Form ihren, allerdings unmittelbaren, Vorläufer und zwar ixn Zaungeflecht. Ein Beispiel solcher Zaun- gedeehte bieten uns die Hütten und Umfriedungen polynesischer Dörfer, worüber