Uebergalmg Gothik von der zur Renaiffalmce. 349 lieh die Paläfle zu Genua und zu Bologna zeichnen {ich durch mächtige Treppen aus, die oft ein befonderes Treppenhaus für {ich beanfpruchen, wie z. B. im Palaß; Corfini zu Rom. Auch diefe Räume machen oft Gebrauch von den perfpektivifchen Kunltfiüclaen, die am Kirchenbau beliebt geworden waren und lalien durch eine Oeffnung in der Decke den Blick in ein oberes reich deco- rirtes Gewölbe dringen. Die Höfe werden öfter mit Wänden gefchloffen, die mit Pilailern decorirt find, oder fie erhalten auf der einen Seite eine grandiofe Loggia, wie im Palafi Mattei zu Rom von Carlo Maderna; bisweilen finden {ich aber auch noch Säulenhöfe von fchönen, einfachen Verhältniffen, wie der unter Fig. 451 abgebildete des Palaft Borghefe in Rom, erbaut von Martino Lunghi dem Aelteren; doch kuppelt man hier die Säulen paarweife, um weitere und höhere Hallen zu erzielen. Die inneren Räume werden jetzt auch bei den Paläüen höher und weiter; neben den mehr quadratifchen Sälen und Gemächern kommen lange Galerien als eine befondere Art von Prachträumen in Aufnahme. In der Ausfchmückung diefer Säle herrfcht ähnlich wie bei den Kirchen ein Wetteifer der Malerei und Plaftik, eine Uebertreibung prunkvoller Decoration, die allerdings in profanen Räumen nicht fo beleidigend wirkt wie in Gottes- häufern. Gegenüber diefer verfchwenderifchen Pracht werden die Facaden der Paläfte immer roher, {ieigern die Einzelformen zu plumper Willkür und vermögen in der Regel nur durch die koloilalen Verhältniife zu wirken. Der NebenbuhlerBerninTs, Francesco Borromini (1599-4667), brachte die Entartung der Architektur auf's Aeußerfle. Seine Facaden wie feine Grund- riflie vermeiden die geraden Linien nach Möglichkeit und bewegen {ich im wilden Durcheinander auswärts und einwärts gefchwungener Curven, fo befonders an dem Thurm von S. Agnefe zu Rom u. a. In diefeitn Styl fand die Zeit ihren trefiiendflen Ausdruck, fein Beifpiel wurde daher überall nachgeahmt, und die Welt mit den widerfinnigllen architektonifchen Gebilden angefüllt. ZWEITES KAPITEL. Die Renaissance in den übrigen Ländern. In den außeritaliexiifcheim Ländern hielt {ich der gothifche Styl in [einer theils reich decorativen, theils nüchternen Entartung faft durchweg bis in's fech- zehnte Jahrhundert, ja in manchen Gegenden bis in die zweite Hälfte deffelben. Das germanifche Volksthum einerfeits, die nordifehe Natur andererfeits fchien zu innig mit ihm verwachfen zu fein. Doch drang im Laufe des fechzehnten Jahrhunderts hin und wieder ein Renailiänceklang ein, der {ich zuerii in naiver