veranlasste, andere Vorbilder, namentlich in Italien zu suchen. Gerade diejenigen Kupferstecher, welche, wie Vorstermann, Pontius und Bolswerth, am meisten die Unterweisung ihres Lehrers benutzten und seinen Forderungen am meisten genügten, und die den Kupferstich in Flandern zu einer nie wieder er- reichten Höhe brachten, hatten in keinem Lande würdige Nachfolger, und hatten auf die Stecherkunst keinen Einfluss. In Deutschland war überhaupt jedes Kunsttalent gebrochen; in Italien fanden ihre Kupferstiche keinen Beifall; man fand ihre Zeichnung weder schön noch rein und bezeichnete sie miss- achtend als Waare, die nach den Niederlanden schmecke. In Frankreich, wo damals die Stecher- kunst am höchsten stand, fanden sie auch keine Achtung, und als man ihre Verdienste anfing an- zuerkennen, liess man es dabei bewenden, und die Franzosen fuhren fort, ihrem eignen Geschmack und dem ihrer Maler zu folgen. Und dieser war so ent- schieden national-französisch., dass, als der Maler Nattier in Paris die im Palast Luxemburg befind- lichen Gemälde von Rubens zu zeichnen und von den besten Kupferstechern seiner Zeit im Jahre 1710 stechen zu lassen unternahm, ihm dies doch nur so gelang, dass er den iiandrischen Meister französirte. Die Kupferstecherschule von Rubens War wie er selbst ein leuchtendes Meteor, das bald wieder verschwand, ohne weiteren Einfluss auf die Stecherkunst gehabt zu haben. Man begnügte sich, die grossen Meister dieser Schule zn rühmen, machte sie aber nicht zu einem Gegenstande des Studiums und der Nachahmung. Und mit diesem Meteore er-