Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das neue physiologische Institut an der Universität zu Budapest
Person:
Jendrássik, A. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit9646/13/
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der Kleinheit des Gegenstandes, theils zu Folge der Eigenthümliehkeit der zu 
beobachtenden Erscheinungen eine gehörig Auffassung meistens nur aus nächster 
Nähe gestatten, werden an manchen Anstalten die theoretischen Vorträge abge¬ 
sondert von den demonstrativen abgehalten, für welche letztere dann eigene 
Lokale eingerichtet sind. Indem wir nun aber dieser Einrichtung einerseits schon 
bei einer Frequenz von 30—40 Zuhörern begegnen und andererseits wieder bei 
sehr besuchten Collégien — wie z. B. an der St. Peterburger medizinischen Aka¬ 
demie *), wo ausser einem für theoretische Vorlesungen bestimmten, für mehr 
als 600 Zuhörer ausreichenden Auditorium auch noch ein anderer Saal für Expe- 
rimentalvortrâgé eingerichtet ist, der selbst mehr als 200 Personen Raum ge¬ 
stattet, so drängt sich wohl die Frage von selbst auf, welche Motive nöthigen 
jene Trennung der Vorträge auch schon dort an der minder besuchten Anstalt, 
wenn doch derselbe Zweck erreichbar ist anderswo bei viel grösserer Frequenz 
in einem Saal, der 200 Hörer fassen kann? oder wenn jene Einrichtung schon 
dort in dem engeren Kreise einer kleinen Zuhörerschaft unvermeidlich war, wie 
so ist dann die Aufgabe lösbar in dem ausgedehnten Raum, der eine um so viel 
zahlreichere Versammlung umfasst? Es scheint mir, dass, wo eine unmittelbare 
Auffassung des Gegenstandes, eine vollständige Einsicht in das Detail der Ver¬ 
suchsanordnung und genaue Beobachtung des Versuchsresultates gefordert wird, 
diese Aufgabe selbst dann unlösbar bleibt, wenn die Zahl der Zuschauer auch be¬ 
deutend unter 30—40 steht; dazu aber, dass ein vorgewiesener Gegenstand in 
ausreichender Weise erkennbar, das Versuchsverfahren verständlich, das Resultat 
auffassbar sei, so weit als es erforderlich ist, damit das Vorgewiesene den münd¬ 
lichen Vortrag versinnlichend, lehrreich sei und der Theorie zur Erfahrungs¬ 
grundlage dienen könne, selbst einem grösseren Zuschauerkreis gegenüber, dazu 
fehlen wohl die erforderlichen Mittel und Versuchsmethoden nun schon auch auf 
dem Gebiete der Physiologie nicht mehr. Geleitet durch das Beispiel, welches die 
experimentale Physik und Chemie besonders neuester Zeit mehr und mehr dar¬ 
bietet, indem sie das so verschlungene, wechselseitige Verhältnis der Natur¬ 
kräfte, in welches die ersten Beobachter sich selbst nur schwer einen Einblick 
zu verschaffen vermochten, nun bis zu dessen elementaren Faktoren zu verfolgen 
und selbst vor einem grossen Zuschauerkreise experimentell nachzuweisen im 
Stande sind ; muss auch die Physiologie, sobald sie auf Erfahrung gegründetes 
Wissen in weiteren Kreisen verbreiten will, bestrebt sein, die geeigneten Mittel 
zu finden, um auch in dem gegliederten Zusammenhang organischer Vorgänge 
Einsicht Vielen gleichzeitig zu verschaffen. Zu diesem Zwecke stehen ihr die 
Hilfsmittel der Physik und Chemie theils unmittelbar zu Gebote, theils vermag 
*) E. Cyon. Methodik der physiol. Experimente und Vivisèctionen. Giessen 1876. S. 3.
        

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