Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den zeitlichen Verlauf der negativen Schwankung des Nervenstroms
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit9009/27/
TJeber den zeitlichen Verlauf der negativen Schwankung des Nervenstroms. 199 
Verhalten zeigt. Indessen es lässt sich wohl annehmen, dass die 
Geschwindigkeit derselben innerhalb einer Reizwellenlänge annähernd 
dieselbe ist. 
Unter dieser Voraussetzung besitzt die Reizwelle ganz dieselbe 
Gestalt als die im vorigen Paragraphen construirte Schwankungs- 
Curve (Fig. D). Denn indem die Reizwelle über das Element dN\ 
(Fig. D) fortrückt, ändert sich die Curve des von dNt abgeleiteten 
Stromes ganz proportional den Ordinaten der Reizwelle, welche über 
dNt hinwandern. In Fig. D ist daher die Reizwelle so gezeichnet, 
dass sie von o aus steil bis n ansteigt und dann langsamer sich der 
Abscisse wieder anschliesst. 
Aus den Untersuchungen von du Bois-Reymond ist es nun 
bekannt, dass die negative Schwankung sich in allen Nervenfasern 
nach beiden Richtungen hin fortpffanzen kann. Der bei p gereizte 
Nerv zeigt nicht nur bei N sondern auch an seinem über p hinaus 
verlängerten Ende bei N‘ gleichzeitig dieselbe Erscheinung der 
negativen Schwankung. Also wird zu derselben Zeit in der die 
Reizwelle mno in der gezeichneten Lage sich befindet, auch eine 
zweite Reizwelle m‘ n‘ o' in derselben Entfernung von p vorhanden 
sein. 
§. 12. Schlussbemerkung. 
Von der Beobachtung ausgehend haben wir die Reiz welle con- 
struirt aus der veränderten electromotorischen Beschaffenheit des 
Nerven, die wellenartig vorschreitet, und wir müssen uns nun fragen, 
in welcher Beziehung diese Reizwellen zu dem Vorgang der Erregung 
im Nerven stehen. 
Da wir nachgewiesen haben, dass die Reizwelle mit derselben 
Geschwindigkeit sich fortpflanzt als die Erregung, so können wir 
die wohlberechtigte Annahme machen, dass die Reizwelle Nichts 
anderes ist als das Bild des im Nerven ablaufenden Erregungsvor¬ 
ganges. Mag man sich diesen Vorgang vorstellen wie man will, 
man wird von der Annahme ausgehen müssen, dass eine Bewegung 
kleinster Theilchen stattfindet, die unendlich wenig aus ihrer Gleich¬ 
gewichtslage entfernt werden und wieder in dieselbe zurückkehren. 
In der Reizwelle m n o (Fig. D) sind demnach die kleinsten Theil¬ 
chen des Nervenelementes dNt eben in Begriff ihre Gleichgewichts¬ 
lage zu verlassen, die des Elements d N2 befinden sich im Maximum 
ihrer Ablenkung und die von dNs sind in die Ruhelage wieder 
zurückgekehrt.
        

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