Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Stellung der physiologischen Chemie zur Physiologie im Allgemeinen
Person:
Hoppe-Seyler, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8693/3/
Innern hin beherrscht und mit Erfolg bearbeitet zu werden. 
Er stützt sich hierbei auf die Erfahrung und behauptet, dass 
eine nicht ganz geringe Zahl solider Physiologen existin', die 
nicht bips in physikalischer und chemischer, sondern auch 
in iler anatomischen Richtung zuverlässige Forschungen zu 
Tage gefördert haben; dass die Zahl derselben nicht grösser 
sei, habe seinen Wesentlichen Grund in der Mangel liait igkeil 
der Gymnasial* und Universitälserziehung. Auf dies letztere 
Gebiet hier einzugehen, halte ich nicht für zweckmassig, 
Mängel hier aufzufinden ist leicht, Abhülfe schaffen sein- 
schwer; im Uebrigen ist es ja ausser Frage, dass die Forschung 
frei, jede Eintheiluug der Naturwissenschaften eine mehr oder 
weniger künstliche ist, und der Bildungsgang der einzelnen 
Forscher glücklicher Weise nicht nach bestimmter Schablone 
sondern nach dem geistigen Triebe und den natürlichen 
Anlagen sich entwickelt, aber ich muss daran festhallen, 
dass der Lehrer und Vertreter einer Wissenschaft an einer 
Hochschule sein Gebiet gründlich kennen sollte und dass 
dieser Anforderung für das ganze chemische und physikalische 
Gebiet ein Mann nur sehr selten zu entsprechen im Standi' 
sein wird. Ich glaube ferner her Vorlieben zu müssen, dass 
die physiologische Chemie einer bedeutenden Erhöhung ^ihrer 
Forschungen und Leistungen fähig ist , dass es aber hierzu 
dringend nöthig erscheint, ihr an den Universitäten eine selbst¬ 
ständigere, würdigere Stellung zu geben, sie aus der Unter¬ 
ordnung zu befreien. Allgemein und nur zu sehr gerecht¬ 
fertigt sind die Klagen über den ausserordentlich niedrigen 
Stand der durchschnittlichen Kenntnisse der Chemie, welche 
die Studirenden der Medicin sich erwerben, ältere erfahrene 
Examinatoren versichern, dass das Niveau derselben in den 
letzten Jahren noch gesunken sei, die llauptursache hiervon 
ist kehle andere, als dass sie die Bedeutung der Chemie für 
das Verständnis.« der Processe des gesunden und kranken 
Lebens nicht achten lernen und dies kann im Wesentlichen 
nur die Schuld derjenigen Physiologen sein, welche ent¬ 
weder die Chemie nicht kennen oder ihr die erforderliche 
Achtung selbst nicht zukommen lassen.
        

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