Bauhaus-Universität Weimar

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[LXXV. 36] 
ßtattfinden durch Beimischung von Empfindungen, die er so¬ 
gar in diesem Falle als Mitempfindungen bezeichnet (G. 91 ff. 
Vgl. auch L. 259 u., 392). Warum sollte das analoge Ver¬ 
hältnis nicht auch zwischen Affekten und Gefühlsempfin¬ 
dungen stattfinden? 
Die Eigenart der Gemütsbewegungen als psychischer Zu¬ 
stände gegenüber den gewöhnlichen Sinnesempfindungen ist 
so augenfällig, dafs sie nur von wenigen Psychologen ver¬ 
kannt wird. Auch Titchener und Ziehen sind darin mit mir 
einig. Sie glauben nur eben die Wurzel dieser Eigenart 
schon in den sinnlichen Gefühlstönen zu erblicken, die sie 
darum nicht als Sinnesempfindungen anerkennen. Ich ziehe 
hingegen den Trennungsstrich erst bei den Affekten selbst, 
für die ich die Mitwirkung intellektueller Prozesse als wesent¬ 
lich ansehe. Es liegt hier gewifs mehr als ein blofser Wort¬ 
streit vor. Immerhin wird es gut sein, auch diesmal blofse 
Definitionsfragen auszuschalten. 
Das gleiche gilt von der Unterscheidung zwischen Er¬ 
scheinung und Funktion, die hier hereinspielt. In dieser Hin¬ 
sicht scheint mir Ziehen die so energisch bestrittene Unterschei¬ 
dung doch selbst zugrunde zu legen, wenn er z. B. an einer 
Vorstellung den Inhalt, der ihr mit der Empfindung gemein 
ist, von der Vorstellung selbst unterscheidet, ja sogar einen 
doppelten Gefühlston bei Vorstellungen annimmt, einen zum 
Vorstellungsinhalt gehörigen und einen auf die Vorstellung 
von der Empfindung herübergetragenen. Ob dies richtig ist, 
mag hier dahingestellt sein, aber jedenfalls scheint mir dabei 
die Unterscheidung des Inhaltes von dem Akt oder der Funk¬ 
tion des Vorstellens — auch wenn diese letzten Ausdrücke 
nicht gebraucht sind — vorausgesetzt.1 
1 L. 260: „dafs der Gefühlston mit den übrigen Empfindungseigen¬ 
schaften in den Inhalt der Vorstellung übergeht. Aufserdem aber 
wird er auch unmittelbar von der Grundempfindung aus auf die Vor¬ 
stellung übertragen. Sie sehen also, dais der Gefühlston der Empfin¬ 
dung in doppelter Form in der Vorstellung wiederkehrt, erstens im 
Inhalt der Vorstellung und zweitens als übertragene selbständige Eigen¬ 
schaft der Vorstellung, als übertragener ideativer Gefühlston.“ 
Dies kann schwerlich anders verstanden werden als so, dafs man 
den Inhalt des Vorstellens und las Vorstellen selbst als Akt oder
        

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