Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/57/
46 2. Kap. Analyse gesungener Vokale durch Interferenzröhren. 
temperatur machen nur geringe Unterschiede, namentlich bei 
hohen Tönen. Bei 24° C würde z. B. die Viertelwellenlänge für 
384 Schwingungen um 0,2, für 3840 um 0,1 cm größer sein. 
Nun findet ein Einfluß der Röhrenweite in doppelter Richtung 
statt : 
a) Die Schallgeschwindigkeit wird nachKuNDT mit abnehmender 
Schwingungszahl des Tones und abnehmender Weite der Röhre 
vergrößert. Diese auch von Späteren bestätigte Gesetzlichkeit 
wird nur bei tieferen Tönen und bei Röhren von weniger als 2,6 cm 
Weite von Bedeutung. Nun liegt das Lumen unserer Röhren für 
die tieferen Töne etwas unter dieser Grenze. Aber die resultierenden 
Abweichungen sind wieder so gering, daß sie hier vernachlässigt 
werden können. Denn sie sind viel kleiner als die If.-Breite. Wenn 
diese bei Tönen von der Höhe etwa des c auch nur einen Ganzton 
beträgt, so bedeutet .dies schon einen Spielraum der Einstellungen 
von 2 cm. Da wir, um der Auslöschung sicher zu sein, stets eine Mehr¬ 
zahl von Röhren (bei tieferen Tönen 3—4) von etwas verschiedener 
Länge nach oben und unten von der berechneten einstellten und 
die einzelnen Einstellungen infolge der If.-Breite sich überdecken 
und in ihrer Wirkung gegenseitig unterstützen, so war damit dieser 
Einfluß der Röhrenweite außer Kraft gesetzt. 
b) Dagegen trat bei hohen Tönen, die für uns weit wichtiger 
sind, ein anderer Einfluß zutage, auf den man bisher nicht aufmerk¬ 
sam geworden ist, der aber auch nur bei If .-Versuchen durch die Weite 
der Seitenröhren ausgeübt wird. Eine von mir (17) gemeinschaftlich 
mit Dr. v. Allesch durchgeführte Versuchsreihe ergab, daß von 
fis2 * an die zur völligen Auslöschung eines Tones erforderlichen Ein¬ 
stellungen der Seitenröhren um wachsende Beträge von den berech¬ 
neten ab weichen. Diese Abweichungen sind viel größer als die, welche 
sich für hohe Töne aus den Formeln für die unter a) erwähnte Ab¬ 
weichung ergeben würden, und sie bewegen sich in beiden vorhin 
erwähnten Beziehungen in umgekehrter Richtung: sie nehmen 
zu mit zunehmender Röhren weite und zunehmender Schwingungs¬ 
zahl. Und zwar wachsen sie von gz—c7 von einem Halbton bis zu 
einer großen Sexte, d. h. man muß bei gz auf den für gisz, bei c7 
auf den für a7 in freier Luft geltenden Wert einstellen1). 
1) Der Grund für dieses Verhalten dürfte darin liegen, daß die aus der 
Seitenröhre zurückkommende Schwingung zwar an dem Punkte, wo die 
Seitenröhre in die Hauptröhre mündet, die von der Rechnung verlangte 
entgegengesetzte Phase besitzt, sich aber von da in den Querschnitt der 
Hauptröhre weiterverbreitet und innerhalb dieser Strecke, wenn sie größer 
ist als etwa 1/10 der Wellenlänge, verschiedene Phasen annimmt, unter 
Umständen sogar eine mit der Hauptwelle übereinstimmende, also sie ver¬ 
stärkende (F. Stumpf mündlich).
        

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