Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/51/
40 2. Kap. Analyse gesungener- Vokale durch Interferenzröhren. 
dungsstellen der Seitenröhren, usf. Einige Faktoren (Bauch und Knoten, 
Böhrenweite) werden wir noch besprechen. Aber im großen und ganzen 
sind die Ergebnisse meiner zahlreichen und mit vielen Variationen an- 
gestellten Versuchsreihen so durchsichtig und übereinstimmend, daß ich 
einen prinzipiellen Fehler nicht besorge. Wo wirklich ein Verdacht sich 
ergab, ist es im folgenden erwähnt. 
3. Schwächung des Grundtons. 
Rein physikalisch betrachtet, muß ein Ton durch jede beliebig 
lange Seitenröhre mehr oder weniger geschwächt werden, aus¬ 
genommen nur, wenn ihre Länge genau mit einer halben Wellen¬ 
länge oder einem ganzzahligen Vielfachen davon zusammenfällt, 
weil dann die Verzögerung eine oder mehrere ganze Wellen aus¬ 
macht. Durch Einstellung von Seitenröhren auf ^-Wellenlängen 
höherer Töne muß daher ein tieferer ausnahmslos geschwächt 
werden, da ja die bezüglichen Seitenleitungen weniger als 1/4 seiner 
Wellenlänge haben. Die Einstellung auf Obertöne muß daher 
immer den Grundton schwächen, zumal wenn auf zahlreiche Ober¬ 
töne zugleich eingestellt wird. 
So liegen die Dinge mathematisch. So haben sie sich diesmal 
auch physikalisch bei den Lewin sehen Intensitätsmessungen be¬ 
stätigt gefunden: wurden zahlreiche If.-Röhren auf die Obertöne 
eines bereits obertonfreien Tones eingestellt, so konnte er dadurch 
um x/4—1/3 physikalisch geschwächt werden. Aber eine andere 
Frage ist es, wie weit eine solche Schwächung des Grundtones noch 
durch ein geübtes menschliches Ohr wahrgenommen werden kann. 
Hier ist das Ohr nun doch im Nachteil gegen eine so empfindliche, 
auf den bezüglichen Ton ausschließlich abgestimmte Membran. 
Ich habe mit If. einfache Töne verschiedener Höhe hergestellt 
(namentlich Töne weiter Flaschen, die ohnedies nur ganz schwache, 
durch wenige Röhren auszuschaltende Obertöne haben) und dann 
jedesmal Seitenröhren in zunehmender Anzahl (bis zu 50) auf das 
darüber liegende Tongebiet eingestellt, dabei aber keine irgend 
erhebliche Schwächung bemerkt. Ein Ton von der Stärke 2 hatte 
dann noch mindestens l3/4, konnte aber auch noch ebensogut mit 
2 taxiert werden. 
Dieser Nachteil des Ohres gegenüber einer auf einen Ton spe¬ 
ziell abgestimmten Membran ist aber für unsere Untersuchung ein 
Vorteil. Denn wir brauchen nun nicht zu besorgen, daß die Stärke¬ 
schätzungen in bezug auf einen durch If. isolierten Ton, insbesondere 
den Grundton, erheblich andere werden, als wenn wir den Ton 
irgendwie ohne das Mittel der If.-Einrichtungen isoliert hätten. 
Auch die bloße Wegverlängerung eines Teiles der Energie in 
den Seitenröhren reicht in unserem Falle nicht zu einer wahrnehm-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.