Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/49/
38 2. Kap. Analyse gesungener Vokale durch Interferenzröhren. 
und nun konnten von vornherein die Röhreneinstellungen auf 
harmonische beschränkt und damit Röhren gespart werden. 
Da bei solchem Vorgehen stets sämtliche über einem gewissen 
Punkte der Tonlinie liegenden Teiltöne ausgeschlossen bleiben, so 
kann eine beobachtete Klangveränderung nur auf die zuletzt ein¬ 
gefügte bzw. abgestellte Zweigleitung bezogen werden. Die Deu¬ 
tung auf ungeradzahlige Multipla ist ausgeschlossen. 
Beim Ab- und Aufbau kann man Längs- oder Querschnitte 
machen, d. h. entweder einen Vokal nach dem anderen vollständig 
ab- und aufbauen, oder bei jeder Einstellung sämtliche oder meh¬ 
rere Vokale durchprüfen und dann erst zur nächsten Einstellung 
übergehen. Meistens wurden Längsschnitte gemacht, Querschnitte 
aber vielfach zur Kontrolle eingefügt. Das Querschnittsverfahren 
für sich allein eignet sich besonders zu unwissentlichen Ver¬ 
suchen, d. h. solchen, bei denen der Hörende nicht weiß, um welchen 
Vokal es sich handelt. Es werden dann die untersuchten Vokale 
in beständig unregelmäßig wechselnder Reihenfolge gegeben. 
Außer diesen Ab- und Aufbauversuchen lassen sich unter ge¬ 
wissen Voraussetzungen auch Lücken- und Stichversuche mit 
eindeutigem Erfolg anstellen, bei denen nur eine bestimmte Zone 
oder einzelne Teiltöne mitten aus dem Klangkomplex heraus¬ 
genommen werden. Man kann dies tun, sobald sich auf dem obigen 
Wege herausgestellt hat, daß die oberhalb einer gewissen Höhen¬ 
grenze liegenden Töne keinen Einfluß mehr auf die Natur eines 
Vokals haben. Denn dann kann man unterhalb dieser Grenze bis 
zu einer Duodezime (1:3) beliebig Töne herausnehmen, deren un¬ 
gerade Vielfache in die darüberliegende einflußlose Region fallen. 
In gewissen Fällen lassen sich auch umgekehrt alle Töne außer 
einem einzigen ausschalten, so daß man dessen Vorhandensein 
und relative Stärke fest stellen kann (Isolierversuche). Eine 
solche vollkommene Isolierung durch If. ist aber nur möglich beim 
Grundton und seinen Oktaven (Oktavenversuche), weil nur die 
Potenzen von 2 die Eigenschaft haben, sich nicht als ungerade Viel¬ 
fache irgendeiner anderen Zahl (1 inbegriffen) darstellen zu lassen. 
Bei diesen Oktavenversuchen wird man, um die volle Stärke des Teil¬ 
tons zu erhalten, in Fällen, wo die bezügliche Oktave zwischen naheliegende 
Teiltöne fällt (z. B. 8 zwischen 7 und 9), auch diese freigeben, weil infolge 
der If.-Breite der Ausschluß eines Tons auch die Nachbartöne schädigt. 
Man wird dann gleichwohl nur den gewünschten Ton selbst hören, nicht 
seine Nachbarn, die wieder von benachbarten Interferenzen geschwächt sind. 
Aus der im Text erwähnten Zahlengesetzlichkeit folgt auch, daß, wenn 
man nur den Grundton und seine Oktave ausschließt, sämtliche Teiltöne, 
theoretisch wenigstens, mit ausgeschlossen sind, also der ganze Klang ver¬ 
nichtet werden muß.
        

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