Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/407/
396 15. Kap. (Anhang). Über Instrumentalklänge. 
Eigenschaften einfacher Töne. Er schreibt ihnen außer den Höhen¬ 
unterschieden nur noch solche der Stärke zu, ,,da die Form ein¬ 
facher Wellen vollständig gegeben ist, wenn ihre Schwingungs¬ 
weite gegeben ist“ (S. 120). Physikalisch ist dies unbezweifelbar 
richtig, denn Sinusschwingungen können sich außer in der Länge, 
von der die Höhe des Tones abhängt, nur noch in der Amplitude 
unterscheiden. Aber damit ist nicht gesagt, daß die unter Ver¬ 
mittlung verwickelter Gehirnprozesse daran geknüpften sinnlichen 
Erscheinungen nicht noch andere Unterschiede auf weisen, die sich 
mit der Höhe zwar parallel, aber nicht notwendig in überall 
gleichem Grade verändern. Dies ist in der Tat der Fall. Helm¬ 
holtz selbst sagt von den einfachen Tönen: ,,sie klingen sehr weich 
und angenehm, ohne alle Rauhigkeit, aber unkräftig und in der 
Tiefe dumpf“. Damit sind doch schon mehrere Unterschiede, wie 
Weichheit und Schärfe, Dumpfheit und Helligkeit, Kräftigkeit und 
Unkräftigkeit, zugegeben. Aber diese Beschreibung muß erläutert, 
ergänzt und teilweise auch berichtigt werden. 
Die Höhe, die wir mit Helligkeit identisch setzen, involviert 
die gewaltigen Unterschiede von den tiefsten, dunkelsten bis zu 
den höchsten, hellsten Tönen. Damit gehen parallel Unterschiede 
des Volumens, das mit zunehmender Höhe abnimmt, aber sich 
in der mittleren Lage weniger stark verändert. Tiefen Tönen ist 
eine gewisse Breite und Verschwommenheit eigen, mit der sie uns 
wie ein Medium umfangen, während die hohen unstreitig immer 
spitzer werden, und beides nicht etwa bloß im figürlichen Sinne, 
auf Grund bloß assoziierter räumlicher Vorstellungen, sondern 
zufolge einer immanenten räumlichen oder raumähnlichen Be¬ 
schaffenheit. Wenn Helmholtz die tiefen Töne „dumpf“ nennt, 
so ist damit vielleicht ihre Dunkelheit und ihr Volumen gleich¬ 
zeitig gemeint (wie wir von einem dumpfen Schmerze reden). 
Genau genommen ist dies aber schon eine Mehrheit von Eigen¬ 
schaften. 
Über das Volumen vgl. Tonps. II S. 57 u. ö. Rich S. 121, v. Hobn- 
bostel 2, S. 708. Waetzmann spricht (3, S. 684) die glaubwürdige Ver¬ 
mutung aus, daß die Volumenunterschiede physiologisch bedingt seien durch 
die nach den höheren Tönen hin abnehmende Breite der erregten Faser¬ 
gruppe in der Basilarmembran. Dann muß bei stärkerer Erregung auch das 
Volumen eines Tones wachsen, was den Tatsachen wohl entsprechen könnte. 
H. J. Watt hat in seinen beiden interessanten Schriften ,,The Psychology 
of Sound“ 1917, und „The Foundation of Music“ 1919 dieses Attribut 
geradezu als das primäre bezeichnet und die wichtigsten musikalischen 
Phänomene darauf zurückgeführt. Einer solchen Ausdehnung und Ver¬ 
wertung des Begriffes könnte ich mich aber nicht anschließen. 
Die auffallende Breite mancher Klänge, besonders des Waldhornklanges, 
auch mancher Baß- und Altstimmen, ebenso das eigentümlich Zerflossene
        

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