Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/395/
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15. Kap. (Anhang). Über Instrumentalklänge. 
noch in der 2-gestr. Oktave ist der Klang namentlich beim piano 
entzückend weich und sanft. Aber in höheren Lagen und bei 
stärkerer Tongebung tritt die Schärfe doch sehr in die Erscheinung. 
Auch sind die einzelnen Klarinettenarten darin noch verschieden, 
am schärfsten nach Sachs (S. 335) die nur ganz ausnahmsweise 
verwendete C-Klarinette. 
Sehr lehrreich ist folgender Versuch. Läßt man mit einer 
A-Klarinette ihren tiefsten Ton cis blasen, stellt aber die Interferenz 
so ein, als gälte es, den gesamten Klang auf dem Grundton cis1 
(einschließlich dieses Tones selbst) auszulöschen, so kommen nur 
der Grundton cis und seine ungeradzahligen Teiltöne zum 
Vorschein. Man hat dann tatsächlich diejenige Klangstruktur, 
die theoretisch dem Klarinettenklang eigen sein soll. Ergebnis: 
der Klang hat noch unzweifelhaften Klarinettencharakter, aber 
er ist weicher und dunkler als vorher. Die ungeraden Teiltöne als 
solche können also nicht an der Schärfe oder dem Näseln schuld 
sein. 
Denselben Versuch machte ich mit einer Zunge des Tonmessers 
von 200 Schw. (gis), die sehr zahlreiche Obertöne enthält. Wurden 
alle geraden Teiltöne ausgeschlossen, so entstand aus dem scharfen 
metallischen Zungenklang ein eigentümlich angenehmer weicher 
Klang, der keinem Instrument besonders ähnlich war, allenfalls 
zwischen Waldhorn und Englisch-Horn in der Mitte stand. Die 
Duodezime war gut herauszuhören. 
Einen verwandten Versuch hat schon Ritz auf der Geige 
gemacht. Streicht oder zupft man eine Saite in der Mitte, so gibt 
sie einen Klang, in dem die geraden Teiltöne fehlen. Ritz nennt 
ihn „eigentümlich näselnd“ (S. 72). Dies kann ich aber nicht 
bestätigen, wüßte auch nicht, woher das Näseln kommen sollte: 
er ist nur hohl und weich. 
Vergleicht man die Fälle: 1, 2, 4 . . . und 1, 3, 5 . . ., die beide in keinem 
Instrument verwirklicht sind, in bezug auf die Bildung von Differenztönen, 
so würde der Unterschied sein, daß im 1. Falle nur Glieder der Reihe selbst 
dadurch verstärkt werden (denn die D.T. 4—1, 6-1 usf. sind so gut wie 
unhörbar; vgl. m. Abh. 7, S. 126ff.), im 2. Falle dagegen die objektiv nicht 
vorhandenen geraden Glieder, wenigstens 2 und 4, in merklicher Stärke 
subjektiv hinzutreten müssen. 
c) Das Fagott wurde, da es die auffallendsten Entwicklungs¬ 
stufen und die komplizierteste Klangstruktur auf wies, auf den 
3 Grundtönen C, c, c1 mit der Interferenzmethode untersucht. 
Man kann hier beim Aufbau 4 Zonen unterscheiden. Ist man 
beim Aufbau von C oder c mit dem Einschieben der If.-Röhren 
bis zum oberen Ende der Formanten gelangt, so ist das Instrument 
erkennbar, aber es hat noch etwas Posaunenartiges. Dann tritt
        

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