Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/372/
Zur physiologischen Hörtheorie. 
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Die 1. entsteht durch Superposition zweier Sinusschwingungen 
vom Verhältnis 5 : 6, die 2. durch solche vom Verhältnis 5 : / 
bei gleichen Amplituden und ohne Phasendifferenz zu Beginn 
der Schwingungen. Im 1. Palle hört man, wenn die Periode sich 
lOOmal in der Sekunde wiederholt, die Töne 500 und 600, außerdem 
auch ziemlich stark die Differenztöne 100 und 400 und äußerst 
schwach den Summationston 1100. Im 2. Falle die Primärtöne 
500 und 700, die D.T. 200 und 300 und den S.T. 1200. Wie soll 
man nun diesen Befund aus den Wellenformen verstehen? Die 
1. Welle hat 6 Gipfel von ungleicher Größe, die dem Ton 600 ent¬ 
sprechen mögen. Aber wenn man nun den Ton 5 (500) etwa auf 
die 5 Gipfel beziehen wollte, die nach Abschneidung des höchsten 
übrigbleiben, so käme man folgerichtig noch zu 4, 3, 2, 1, wovon 
4 und 1 auch gegeben sind, nicht aber 3 und 2. Ebenso findet man 
bei 5:77 Gipfel von ungleicher Größe, aber auf den Ton 5 kommt 
man nur durch spezielle Festsetzungen, die nichts weniger als 
selbstverständlich sind (m. Abh. 6, S. 259ff. bzw. 80ff.). Der 
Ton 2 ließe sich allenfalls aus den 2 überragenden Elongationen 
verstehen, wenn die Plus- und Minusseite jedesmal zusammen¬ 
genommen werden. Aber für den Ton 3, der durchaus kräftig ist, 
und für das Nichtvorhandensein von 6, 4, 1 ist wieder guter Bat 
teuer. 
Will man etwa statt der Anzahl der Wellengipfel die Längen 
der innerhalb einer Periode unterscheidbaren Teilwellen als ma߬ 
gebend für die hörbaren Töne ansehen, so bedarf es zunächst einer 
Definition dieses Begriffes der Teil wellen, die nach verschiedenen 
Gesichtspunkten erfolgen kann. Das natürlichste ist, sie durch die 
Schnittpunkte der Kurve mit der Mittellinie abzugrenzen. In 
diesem Fall erhält man bei solchen binären Kurven bis zur Duo¬ 
dezime zweierlei Teilwellen in jeder Periode. Die Länge der einen 
liegt zwischen den Längen der beiden Sinuswellen, die der anderen 
eine Oktaye höher1). Man müßte also an Stelle der beiden Töne 
einen Oktaventriller aus 2 ganz anderen Tönen hören. Tatsächlich 
hört man aber die beiden Primärtöne selbst ruhig fortklingen. 
Nun kann man freilich die Einzelheiten der Beobachtungen in 
Hinsicht der Differenztöne auch unter Voraussetzung der Zerlegung 
in Sinusschwingungen bisher noch keineswegs vollständig er¬ 
klären2). Aber aus der zusammengesetzten Schwingungsform als 
x) S. m. Abh. 6, S. 647ff. (68ff.). 
2) Die größten Fortschritte in dieser Richtung, experimentelle wie 
theoretische, verdanken wir Waetzmann (zuletzt in 2). Er bestätigt 
HELMHOLTzens Voraussetzung einer Asymmetrie der Schwingungen für 
die Entstehung von Kombinationstönen, zeigt aber, daß solche Asymme-
        

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