Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/33/
22 1. Kap. Analyse gesungener Vokale durch resonierende Gabeln. 
und ich selbst wurde durch die ersten Eindrücke der Resonanz - 
versuche zu der Annahme unharmonischer Teiltöne verleitet, habe 
aber bald genug das angegebene Verhalten ausnahmslos bestätigt 
gefunden. 
3. Charakteristische Struktur. 
Jeder Vokal hat eine gewisse charakteristische Struktur, eine 
Intensitätskurve seiner Teiltöne. Dies ist aber nicht im Sinne der 
,,Relativtheorie“ zu verstehen. Denn wenn man den Grundton 
wechselt, bleiben, abgesehen vom U, die Maxima auf ihrer abso¬ 
luten Höhe liegen* 1). Infolgedessen streckt sich die Intensitäts¬ 
kurve beim Sinken des Grundtons immer mehr in die Länge, wenn 
sie auch ihre allgemeine Gestalt beibehält. Man vergleiche z. B. 
unter den unten folgenden Tabellen die des A auf c und auf c1. 
Das 1. Maximum bleibt auf g2 *, das 2. auf fis4 liegen. Wo Ver¬ 
schiebungen Vorkommen, sind sie doch nur geringfügig und ver¬ 
stehen sich leicht teils aus unvermeidlichen zufälligen Urteils¬ 
schwankungen des Beobachters, teils aus den ebenso unvermeid¬ 
lichen kleinen Unterschieden in der Nuancierung des Vokals und 
in der Stimme des Sängers. Um solche Zufälligkeiten und indi¬ 
viduellen Unterschiede möglichst auszugleichen, habe ich versucht, 
die Stärkeziffern aller Versuchspersonen, die einen bestimmten 
Vokal auf bestimmter Tonhöhe gesungen haben, zu summieren. 
Die Gesetzmäßigkeiten sind dabei in der Tat besonders deutlich 
hervorgetreten. Dennoch möchte ich hier auf die Unterstützung 
solcher Summen- oder Durchschnittstabellen verzichten, da die 
Berechtigung der Summierung wegen der obenerwähnten quali¬ 
tativ mitbedingten Schätzungskriterien bestritten werden könnte. 
Wir geben für die Grundtöne c, c1, c2 eine Anzahl von Einzel¬ 
tabellen, die zugleich die individuellen Verschiedenheiten erkennen 
lassen, bei c1 und c2 auch je 2 Reihen der nämlichen Person zu 
verschiedenen Zeiten, die begreiflicherweise auch nicht ganz zu¬ 
sammenfallen. Zur Vergleichung mag man dann immerhin auch 
Summen- oder Durchschnittszahlen daraus bilden. 
reihe nicht die nötige Garantie für die gleiche Nuancierung seitens des 
Sängers gegeben sei und daher eine Menge von Beobachtern auf einmal, 
jeder für einen der Teiltöne, Zusammenwirken müßten, kann ich kein Ge¬ 
wicht beimessen. Der Beobachter muß eben achtgeben, daß die Nuancie¬ 
rung konstant bleibt, und Versuche mit zufälliger merklicher Abweichung 
sofort durch andere ersetzen. 
i) Wir werden unten aus den Ergebnissen der Interferenzversuche, die 
eine unbeschränkte Veränderung des Grundtons gestatten, ein langsames 
Hinaufrücken der Maxima mit steigendem Grundton erschließen. Aber bei 
den Resonanzversuchen auf c und c1 kam es nicht zum Vorschein.
        

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