Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/316/
Verhältnis der Teiltonstärken zur Gesamtstärke des Klanges. 305 
treten. Und diese Verhältnisse mögen, zunächst nur wenig modi¬ 
fiziert, auch in einer unteren Schicht des Hörzentrums noch er¬ 
halten bleiben. Hier wird also dem schwächeren Tone durch den 
gleichzeitigen stärkeren etwas abgezogen, dem höheren mehr durch 
den tieferen als umgekehrt. Aber der Abzug beträgt lange nicht 
so viel wie in den Eberhardt sehen Versuchen, höchstens so viel 
als dort bei den Besthörenden. In dieser 2. Schicht wird die Klang¬ 
farbe und der Vokalcharakter bestimmt. Dann folgt aber noch 
eine obere Schicht, in die nur herausgehörte Töne eintreten 
und wo sich jene großen individuellen Unterschiede geltend ma chen. 
Beim Übergang in diese 3. Schicht erfolgt eine individuell sehr 
verschiedene Einbuße an Energie, bei manchen Individuen unter 
günstigen Umständen nur eine geringe, bei anderen und unter 
ungünstigen Umständen aber ein Herabsinken bis fast zum Null¬ 
werte. Das Heraushören ist für dieses Herabsinken eine conditio 
sine qua non, aber ich würde aus dem obenerwähnten Grunde 
nicht sagen, daß es die Ursache wäre. Diese muß vielmehr in 
zentralen Widerständen liegen, die sich der vollen Entwicklung 
der physiologischen Tonprozesse entgegensetzen. Ich möchte diese 
Schicht auch nicht geradezu als „Apperzeptionszentrum“ gegen¬ 
über dem darunterliegenden „Perzeptionszentrum“ bezeichnen, 
obgleich man der Kürze halber sich dieser Ausdrücke bedienen 
mag : denn die in meinen und den amerikanischen Untersuchungen 
gefundenen Gesetzlichkeiten setzen doch auch schon Apperzeption, 
Heraushören der Komponenten voraus. Die beiden letzten Schichten 
müssen nur eben unterschieden werden, um die Eberhardt sehen 
Ergebnisse und die wohl damit zusammenhängenden außerordent¬ 
lichen individuellen Unterschiede in der Fähigkeit des Heraus¬ 
hörens, in der einheitlichen und mehrheitlichen Auffassung der 
Musik einigermaßen verständlich zu machen. Für das Verständnis 
der Vokalstrukturen bietet die Eberhardt sehe Untersuchung 
keine neuen wesentlichen Anhaltspunkte; sie sollte hier nur als 
interessante Fortführung der allgemeinen Fragen erwähnt werden, 
zu denen man sich durch Vokalstudien zuletzt geführt sieht. 
II. Verhältnis der Teiltonstärken zur Gesamtstärke 
des Klanges1). 
Physikalisch setzt man die Gesamtstärke eines Klanges einfach 
gleich der Summe seiner Teiltonstärken und drückt die letzteren 
in Prozenten der ersten aus. Bei der Beschreibung der Klang- 
1) Hierzu vgl. Tonpsych. II, 423ff. und „Attribute der Gesichtsempfin¬ 
dungen“, Abh. d. Berlin. Akad., Phil.-hist. Kl. 1917, S. 46ff. 
Stumpf, Sprachlaute. 20
        

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