Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/264/
Das Vokaldreieck. 
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punkt zum anderen führen. Am zweckmäßigsten scheint es, je 
2 Durchgangspunkte auszuzeichnen, wie auf der Abbildung ge¬ 
schehen ist. Auf der U—I-Linie liegt offenbar Ü, näher an I 
als an U. Setzt man symmetrisch dazu auf die linke Seite ein 
TJÜ, welches sehr wohl herstellbar ist (vgl. oben S. 146), so hat 
man ein geschlossenes System von 9 Vokalen, unter denen allerdings 
unser Ö noch fehlt. Will man nur je 1 Zwischenstation auf jeder 
Linie unterscheiden, so erscheinen 6 Grundlaute. Je nach Be¬ 
dürfnis kann man aber auch 3 Zwischenstufen (wie Brücke) 
oder 4 (wie Stockhausen in seiner „Gesangstechnik“) oder noch 
mehr, insbesondere auf den seitlichen Dreiecklinien, unter¬ 
scheiden. 
Wir können nun aber auch in das Innere des Dreiecks gehen 
und finden da auf der Verbindungslinie von 0 und E unser Ö, 
dem links ein OÖ entsprechen würde, und auf der Linie von 
OA nach Ä, die die Linie von A nach den Ö-Lauten hin schneidet, 
Blöklaute vom Typus OAÄÖ (worauf schon Hellwag hinwies). 
Unterscheidet man auf dieser Horizontalen wieder 2 Zwischen¬ 
vokale, ßx und ß2, die in unserer Schreibweise am besten mit 
AOäö und Äöao (dunkler und heller Blöklaut) auszudrücken 
wären, so entstehen 13 Vokale, die sämtlich, ebenso wie alle übrigen 
hier nicht näher bezeichneten überhaupt möglichen Zwischen¬ 
stufen, von A ausstrahlen. Will man aber auf der obersten Hori¬ 
zontalen nur 1 Zwischenstufe in der Mitte unterscheiden, so ent¬ 
steht ein Dreieck im Dreieck (so bei Brücke), und wir erhalten 
gerade ein Dutzend. Ich würde die erste Form, wie sie in unserer 
Zeichnung angegeben ist, trotz der Unglückszahl 13 vorziehen. 
Jedenfalls aber haben wir hier ein geschlossenes und übersichtlich 
geordnetes System. Suchen wir z. B. das kurze „russische Y“, 
so liegt es auf der Verbindungslinie von OÖ und UÜ, bald den 
einen, bald dem anderen näher. Schon Hell wag bemerkt in den 
von Viëtor herausgegebenen Aufzeichnungen vom Jahre 1780: 
„Zwischen diesen Reihen und Stufen könnte man noch unendlich 
viele andere einschalten, welche Völker von verschiedenen Sprachen 
und Mundarten im Sprechen gebrauchen: so ließen sich vielleicht 
alle Vokale und alle Diphthongen, welche je ein Mensch ausge¬ 
sprochen hat, gleichsam mathematisch durch Stufen be¬ 
stimmt angeben.“ 
Die nasalierten Vokale allerdings lassen sich nur so in dem 
Dreieck unterbringen, daß man sie durch einen Index (Ow, Ä„ 
usw.) den entsprechenden freien Vokalen zuordnet. Diese Unter¬ 
scheidung folgt eben einem anderen Einteilungsgrund, der sich 
mit dem gegenwärtigen kreuzt (s. unten).
        

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