Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/247/
236 9- Kap. Phonographische, telephonische, ohrenärztliche Beobachtungen. 
Herabstimmung der Saite erzeugte Töne, aber mit deutlich stär¬ 
kerer Oktave und schwachem Grundton. Es ist daher anzunehmen,, 
daß bei so tiefen Klängen der Grundton im Telephon wesentlich 
nur als Differenz ton der Obertöne hinzukommt. 
Natürlich hat auch die Telephontechnik sich längst mit der 
Bestimmung der für das Sprachverständnis unentbehrlichen Fre¬ 
quenzen befaßt. Bereits 1901 fand M. Wien die größte Empfind¬ 
lichkeit des Telephons zwischen 500 und 3000 Schw. Versuche 
im Kaiserlichen Telegraphenversuchsamt zu Berlin 1906 ergaben 
als wichtigste mittlere Frequenz der telephonischen Wechsel¬ 
ströme 800 Schw. und als für die Sprache unentbehrliche Gegend 
600—1200. Devaux-Charbonnel bezeichnet 1000 Schw. als ent¬ 
scheidendste Gegend und 800-1200 als unentbehrliche Frequenzen. 
Die Grenzbestimmungen wechselten inzwischen einigermaßen, 
wobei aber auch die Anforderungen an Deutlichkeit verschieden 
sein mochten. Neuerdings bestimmte der Telegraphendirektor 
Ulfilas Meyer die Region 500 (h1) bis 2100 (c4) als „notwendig 
und hinreichend'4, vermutete aber, daß jenseits c4 noch gewisse 
Frequenzen in der Sprache vorkämen, die für ihre Deutlichkeit 
nicht mehr wesentlich seien. Als untere Grenze der im Telephon 
überhaupt vorkommenden Frequenzen bezeichnet er 360 (as1)1). 
Nach Broemser (1919) gibt das Telephon alle Frequenzen unter¬ 
halb 1200 richtig wieder, schwächer die höheren, das Mikrophon 
alle unter 800 verstärkt, die über 800 schwächer. Er hält es für 
genügend, wenn Schwingungen bis 2000 unverzerrt wiedergegeben 
werden. Unterdrückung der Schwingungen unter 400 veränderte 
die Klangfarbe der Sprache merklich, beeinträchtigte aber nicht 
wesentlich ihre Verständlichkeit. 
Diese Bestimmungen stehen unter sich und mit unseren Ermit¬ 
telungen in befriedigendem Einklang2 *). Die zeitweilig angenommene 
Region 600—1200 war allerdings zu eng gegriffen, doch ist auch 
daran so viel richtig, daß von 1200 abwärts die empfindlichste 
Gegend beginnt, bei deren Ausschaltung das Sprachverständnis 
völlig vernichtet wird. Und wenn sich immer wieder 800 als die 
überhaupt wirksamste Frequenz erwiesen hat, so ist dies ohne 
weiteres daraus verständlich, daß hier das Formantzentrum des 
b Die in den telephontechnischen Schriften angegebenen Werte œ (Kreis¬ 
frequenzen) ergeben, durch 2 n dividiert, die obigen Schwingungszahlen. 
Für „Schwingungen“ pflegt man dort den Ausdruck „Hertz“ zu gebrauchen. 
2) Nach Mitteilungen K. W. Wagners (2, 3, vgl. „Das Fernsprech¬ 
wesen im Weltverkehr“. Aus d. Reichspostministerium Nov. 1923) haben 
sich die seit 1915 veröffentlichten Arbeiten des Verfassers für das Fern¬ 
sprech wesen bereits in erfreulichem Maße nützlich erwiesen.
        

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