Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/225/
214 8. Kap. Die Entwicklung der Vokalforschungen. 
Auf dem Hamburger Phonetiker-Kongreß 1914 berichtete 
Zwaardemaker, über Untersuchungen, bei denen ein auf c1 ge¬ 
sungener Vokal zu 5 auf seine ersten 5 Teiltöne abgestimmten 
Resonatoren und weiter zu einem Rayleigh sehen Scheibchen 
geleitet wurde, das nur bei dem energetisch stärksten Ton 
erzitterte. Beim U auf c1 war dies der 1., beim 0 der 2., beim A 
der 3., beim I wieder der 1. Teilton. Die Ergebnisse (kurz 
berührt auch in 3, S. 11) stimmen genau mit den Resonanz- 
tabellen o. S. 25. 
C. E. Benjamins, der den energetisch stärksten Ton („Haupt¬ 
ton“) von Vokalen auf den Grundtönen g bis g1 durch KuNDTSche 
Staubfiguren auf suchte, erhielt für die helleren Vokale wieder ihre 
Unterformanten, ohne jedoch deren Funktion zu erkennen. Im 
allgemeinen fand er, daß mit steigendem Grundton der Stimme der 
Hauptton seiner Ordnungszahl nach sinkt (was notwendig ist), 
aber doch seiner absoluten Höhe nach bei gleichem Vokal nicht 
fest bleibt (was gleichfalls innerhalb gewisser Grenzen aus der Ab- 
solut-Theorie folgt). Er schließt, daß der energetisch stärkste Teil¬ 
ton nicht zugleich der charakteristische Ton des Vokals zu sein 
brauche. Auch diese Folgerung kann zutreffen. Vor allem könn¬ 
ten die Unterformanten recht wohl physikalisch stärker sein als 
die Formanten: die physiologischen Stärken könnten sich dabei 
gleichwohl umgekehrt verhalten. Aber selbst wenn sie den physi¬ 
kalischen genau parallel gingen, wäre es nicht notwendig, daß der 
stärkste Teilton zugleich die stärkste färbende Kraft (Vokalvalenz) 
besäße. Gegen die Helmholtz sehe Lehre würde daraus kein Ein¬ 
wand erwachsen; sie enthält keine Bestimmungen über die letzten 
Fragen der Gehirnmechanik. 
4. Synthesen. 
Dieser Weg ist, wie erwähnt, nach Helmholtz außer von Miller 
und dem Verfasser nur von wenigen und nur bruchstückweise be¬ 
treten worden, aber auch die so erzielten Ergebnisse lassen sich von 
den jetzt gewonnenen aus gut verstehen. 
Lahr, der Resonanzgabeln verwendete, erhielt U am reinsten 
durch eine einzige Gabel, wenn sie nicht zu hoch war; 0 durch 
c -j- c1, noch besser durch die 4 Gabeln c, c1, g1, c2. Bei Hinzu¬ 
fügung des g2 änderte sich der Klang nach A hin, und mit der Gabel 
1000 (nahe c3) wurde dieses besser. Sobald man aber nur eine dieser 
Gabeln für sich anschlug, sei es auch die höchste, ging der Laut 
in U über. Dies ist alles richtig beobachtet, wenn auch das extrem 
helle U der Gabel mit 1000 Schw. kaum mehr diese Bezeichnung 
verdient. Daß eine so primitive Methode doch Ergebnisse lieferte,
        

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