Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/210/
Stimmfärbungen. 
199 
Zur Vergleichung ist wieder 
das A des Heldentenors in Brust - 
stimme auf demselben Ton in syn¬ 
thetischer Nachbildung daneben 
gesetzt. Es erreichte freilich nicht 
die Stärke des Originals, selbst 
wenn dieses mit mäßiger Kraft 
in großer Entfernung angegeben 
wurde; aber die Qualität schien 
mir gut getroffen. 
Am interessantesten ist, daß 
im Falsett alle 3 dunklen Vokale 
nur Grundton und Oktave in verschiedenen Stärkeverhältnissen 
erfordern. Daß 0 dem U näher rückt, ist schon a. a. 0. erwähnt; 
aber hier gehört auch A zu derselben Gruppe, wie es denn in der 
Tat gegenüber dem A der Bruststimme, auch der von Frauen, 
dunkler klingt. In letzterem muß auf g1 überall mindestens noch d3 
enthalten sein. Aber auch verglichen mit der Besonanztabelle 
des falsettierten /1 ist die gegenwärtige wieder bedeutend verein¬ 
facht, weil es sich dort um die Vokale in unmittelbarer Nachbar¬ 
schaft, hier um entfernter gesungene handelt. 
Frauen- und Männerstimmen sind, wenn sie den gleichen Ton 
singen, wenigstens im Chorgesange an der Klangfarbe schwerlich zu 
unterscheiden. Dies ist mir in Oratorien auf gef allen, wenn sich die 
Tenor- und die Altstimme überschneiden, z. B. in Handels „Israel 
in Ägypten“ Nr. 8: „ein Dunkel, daß niemand sah“ (ppo); und so 
oft. Wirklich zeigt selbst das A des Heldentenors in der syn¬ 
thetischen Nachbildung keinen wesentlichen Strukturunterschied 
gegen die Frauenstimme auf g1 S. 176, nur größere absolute Stärken. 
Dagegen besteht nach den Erfahrungen der musikalischen 
Praxis, insbesondere des Chorgesanges, ein durchschnittlicher 
Unterschied zwischen Frauen- und Knabenstimmen. Ich habe 
darum die S. 30 erwähnten Knabenstimmen, besonders die des N„ 
auch synthetisch nachzubilden versucht und noch während des 
Druckes zwei mir durch den Dirigenten empfohlene Knaben des 
Berliner Domchores geprüft. Schon bei der direkten Vergleichung, 
wenn der nämliche Vokal auf der nämlichen Tonhöhe abwechselnd 
von einer guten Frauen- und von einer guten Knabenstimme ge¬ 
sungen wurde, ließ sich leicht erkennen, daß er im 2. Falle schwä¬ 
cher, aber auch weicher und doch zugleich magerer klang. Ver¬ 
gleichende Proben mit der Resonanzmethode ergaben, daß die 
höchsten Teiltöne der Frauenstimme in der Knabenstimme schwä¬ 
cher waren oder fehlten. Der Grundton hingegen war stärker. 
g1 Falsett 
1 g1 Brust¬ 
stimme 
Ä4 
2 
_£4 
4 
fis4 
6 4 
ds 
3 8 
4 
hz 
8 0 
4 
gs 
0 0 
4 
d3 
0 0 
6 
g2 
8 12 14 4 8 
! 10 
g1 
12 12 8 12 12 
i 4 
U O A E I A
        

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