Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/189/
178 7. Kap. Synthetische Darstellung der stimmhaften Vokale. 
Die wesentliche Funktion der Unterf ormanten wird auch durch 
die Synthese bestätigt. Sie stellen gleichsam Untermalungen dar, 
ja sie könnten mit den chemischen Radikalen verglichen werden. 
Man braucht nur zu bedenken, daß Ä und Ü den gleichen For¬ 
manten haben ; den Ausschlag gibt hier der Unterformant, neben¬ 
bei allerdings auch noch die sonstige Struktur. Schon eine ganz 
geringfügige Änderung in der Stärke oder Lage des Unterformanten 
bedingt eine wesentliche Änderung in der Klangwirkung. Gibt 
man z. B. dem Ä statt eines OA ein 0 als Unterformanten, so 
kann es nicht gelingen. 
Aber auch auf den 1. und 2. Teilton kommt außerordentlich 
viel an; die kleinsten Verschiebungen hierin können den Charakter 
des Vokals bedeutend ändern, ja vernichten. So darf beim A auf 
c1 auch c2 nur schwach sein, wenn es sich nicht dem 0 nähern soll. 
Ein zu dunkles Ä kann man durch Schwächung oder Vernichtung 
des Grundtons sofort hell und scharf machen, ohne am Formanten 
etwas zu ändern, usw. 
Bemerkenswert ist, daß die Teiltöne von hoher Ordnungszahl, 
wie sie für die Grundtöne von c bis c2 in der 4-gestrichenen Oktave 
und darüber liegen, nicht lückenlos im Klange vorhanden sein 
dürfen; wie dies schon v. Wesendonk bei seinen Synthesen beob¬ 
achtete. Sie liegen zu nah aneinander und geben dem Klange zu 
viel Schärfe, namentlich auch durch die Schwebungsrauhigkeit (in 
dieser Höhe werden Schwebungen noch bis über 300 in der Se¬ 
kunde als Rauhigkeit empfunden). Daher sind die in der ersten 
Einrichtung noch gebrauchten Töne 17, 19, 21 später als unnötig 
fortgelassen worden1). 
Bei den Vokalen auf c2 ist es auch für die Synthese oft schwer, 
die Unterschiede herauszubringen, z. B. zwischen Uund O. Und doch 
gelingt es zuweilen sogar besser als bei der natürlichen. Erzeugung. 
So fügt man einem 0 den 3. Teilton, gz, der im natürlichen 0 
auf c2 enthalten ist, besser nicht bei. Es entsteht sonst ein OA, 
wie es das auf c2 gesungene in der Tat ist (vgl. die Tabelle S. 59). 
Das langsame Hinaufrücken der Formanten mit steigendem 
Grundton, wie es die If.-Versuche ergaben, zeigt sich hier nur 
spurenweise (vgl. z. B. 0 auf c und auf c1, A auf g1 uud auf c2). 
Dies hängt teils mit dem viel geringeren Spielraum für die Wahl 
der Grundtöne infolge der disponiblen Pfeifen, teils mit gewissen 
Kompensationen zusammen, die bei der Synthese möglich sind. 
!) Auch schon das A auf c wird fast besser, reiner, wenn man den 7. und 
9. Teilton (&2 und d3) herausnimmt. Die umliegenden genügen zur Herstellung 
der Vokalität.
        

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