Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/185/
174 7. Kap. Synthetische Darstellung der stimmhaften Vokale. 
Farbe unterworfen sind, doch geltend. Es ist eben der Unterschied 
des Lebendigen vom Toten. Man könnte ja auch versuchen, dem 
künstlichen Laut Leben und Seele durch Nachahmung des Vibrando 
einzuhauchen. Aber dieser Kunstgriff der Orgelbauer wäre hier, 
wo es nur auf die Klangfarbe, die Vokalität als solche ankommt, 
zwecklos. Daher ist es das Richtige, die Laute nur ganz kurz 
anzugeben, wobei sowohl die Gleichheit wie die Unterschiede in 
dieser besonderen Richtung klar hervortreten. 
Es gelang nun in der Tat, mit dieser Einrichtung innerhalb 
einiger Wochen alle 8 Vokale der deutschen Sprache naturgetreu 
nachzubilden. In nicht wenigen Fällen urteilten die beigezogenen 
Beobachter, daß der künstliche den natürlichen Vokal sogar an 
Charakteristik und Reinheit übertreffe. Dies war besonders der 
Fall beim I, das von Männerstimmen nur selten scharf und hell 
genug intoniert wird und meist eine starke Ähnlichkeit nach E hin 
hat. Auch die Unterschiede der Vokale auf c2 kann man oft besser, 
deutlicher hervorbringen, als es der menschlichen Stimme möglich 
ist, die ihrem Resonanzapparat eben nicht jede beliebige Einstel¬ 
lung erteilen kann. 
Für die Stärkebestimmung der einzelnen in einen Vokal 
eingehenden Teiltöne bediente ich mich der schon bei den Resonanz - 
versuchen angegebenen subjektiven Kategorien. An sich wäre auch 
eine physikalische Messung sehr erwünscht und wird hoffentlich 
später nachgeholt. Aber vorläufig sind die damit verbundenen 
Schwierigkeiten noch außerordentlich groß, auch standen mir die 
technischen Hilfsmittel nicht zu Gebote. Die Lewin sehe Methode 
(o. S. 17) erfordert für jeden Ton eine besondere Membran, was zu 
den größten Weitläufigkeiten führen würde, und dann wäre immer 
noch die Frage, ob die Ergebnisse für die verschiedenen Töne ver¬ 
gleichbar wären. Indessen erwies sich für die Zwecke der Synthese 
die unmittelbare Schätzung nach dem Gehör als durchaus genügend, 
da man bei einiger Übung imstande ist, nach den so gewonnenen 
Stärketabellen einen Vokal in wenigen Minuten wiederherzu- 
stellen. In den folgenden Tabellen sind aber die Stärken nicht so 
angegeben, wie sie sich am Ende der Zinkröhrenleitung bei T mit 
eingeführtem Sondierungsröhrchen zeigen, sondern wie sie bei B2 
aus der Schlauchleitung ins Ohr gelangen, also da, wo der Vokal 
mit dem gesungenen verglichen und als ihm gleich erkannt wurde. 
Zu diesen Bestimmungen wurde jeder Teilton bei unverändertem 
Stande der Regulierschrauben einzeln angegeben und auf seine Stärke 
geschätzt. Die absolute Stärke des Gesamtklanges wie seiner Teil¬ 
töne ist an dieser Stelle bedeutend geringer als bei T (weshalb 
in den Tabellen nirgends hohe Stärkegrade Vorkommen); wahr-
        

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