Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/178/
7. Kapitel. 
Synthetische Darstellung der stimmhaften 
Vokale. 
I. Historisches. 
Vollkommen durchsichtig und endgültig läßt sich die Struktur 
gesungener (und daher auch stimmhaft gesprochener) Vokale nur 
feststellen durch künstliche Zusammensetzung aus ihren letzten 
Elementen, den einfachen Tönen. Diesen Weg hat bereits Helm¬ 
holtz beschritten, indem er die Vokale durch 8 (später 12, bis 
b3 reichende) elektromagnetisch erregte Stimmgabeln, deren Stärke 
durch Vorgesetzte Resonatoren von veränderlichem Abstande ab- 
gestuft werden konnte, nachbildete. Aber die Einrichtung, deren 
Bestandteile jetzt im Deutschen Museum zu München auf bewahrt 
werden, lieferte nach Helmholtz’ eigenen Bemerkungen sowie Be¬ 
richten von Ohrenzeugen doch nur Annäherungen, besonders hin¬ 
sichtlich der helleren Vokale. Überdies sind die Klänge elektrischer 
Gabeln keine ganz einfachen Töne, auch wenn Resonatoren vor¬ 
geschaltet werden1). 
Herr Prof. F. Auerbach, der noch selbst mit Helmholtz ens Einrichtung 
gearbeitet hat, schreibt mir darüber: „Die Vokale kamen im allgemeinen 
nicht sehr überzeugend heraus; nur wenn man alle Faktoren ganz minutiös 
variierte, tauchte ganz plötzlich einmal der betreffende Vokalklang ver¬ 
blüffend auf, ohne daß es indessen gelungen wäre', ihn exakt zu fixieren 
und später wieder aufzufinden.“ Ähnlich lautete ein mündlicher Bericht 
Prof. Hägens. 
Helmholtz ens Originalgabeln standen mir vor etwa 30 Jahren zur 
Verfügung, aber ohne die große Unterbrechungsgabel; weshalb ich sie zu 
anderen Studien verwandte (s. 12. Kap.). 1922 sah ich eine Nachbildung 
mit dem Grundton c durch eine Berliner Firma; aber die Gabeln reichten 
nur bis e3, so daß bestenfalls nur U, O, A zu erzielen waren, die Stärke¬ 
regulierung war schlecht, kein ppo zu erzielen, und die Gabeln hatten zahl¬ 
reiche Obertöne (die c-Gabel mindestens 5), die teils mit bloßem Ohr, teils 
durch Schwebungen von Hilfsgabeln konstatierbar waren. Bei c1 war, 
wenn es stark erklang, die Oktave sogar stärker als der Grundton. Mit 
einem solchen Apparat ist natürlich keine gute Synthese möglich. 
x) Wie ich 1896 zeigte (3, S. 673), enthalten Klangquellen, die für ein¬ 
fach galten, wie Resonanzgabeln, elektromagnetische Gabeln, Koenigs 
Wellensirene, noch mehr oder minder zahlreiche Obertöne.
        

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