Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/128/
Analyse von Konsonanten durch Interferenzröhren. 117 
Die Untersuchung dieser Laute als reiner Flüsterkonsonanten mit der 
Interferenzmethode stößt aber auf Schwierigkeiten wegen ihrer geringen 
Stärke. Sie sind schon in der Nähe des Sprechenden für sich allein sehr 
schwach (besonders M) und nicht leicht voneinander zu unterscheiden; um 
so weniger am Ende einer längeren Röhre. Doch hört man sie und kann 
ihr Verschwinden und Wiederentstehen verfolgen, wenn die Leitung durch 
Verlegung der ganzen Einrichtung einschließlich der Schallgebung in das 
Beobachtungszimmer aufs äußerste Maß verkürzt wird; und es ist, wenn 
man das nicht beschäftigte Ohr zuhält, keine Gefahr, dabei durch das 
direkte Hören gestört zu werden. Beobachter war hier vorzugsweise Dr. 
v. Allesch. Auch für tadellose Lautgebung mußte gesorgt werden, da die 
Nasallaute, besonders N, von vielen Personen nur schlecht rein flüsternd 
angegeben werden. 
Auf diese Weise war festzustellen, daß von oben herab die erste Schädi¬ 
gung für M mit 2,5 oder etwas vorher, für N und Ng etwas tiefer einsetzt, 
und daß die drei Laute bei 3,5 nicht mehr sicher unterscheidbar sind. Bei 5 
nur noch Stärkeunterschiede, Ng etwas stärker als die anderen, aber alle 
drei nur ein schwaches charakterloses Blasen oder Hauchen. Der Rest 
erlischt bei 14, also in der Gegend des c2. 
Beim Aufbau differenziert sich das leise Geräusch zuerst mit 3,6, wo 
man den Beginn des M ansetzen kann. Bei 2,8 sind sie ziemlich unter¬ 
scheidbar, bei 2,4 oder 2 ausgebildet, werden dann wohl noch etwas deut¬ 
licher, wenigstens stärker, aber nicht mehr wesentlich verändert. M erfuhr 
auch bei 1,6 einmal noch eine Besserung. Die charakteristische Zone wäre 
hiernach gemeinsam für die drei Laute etwa 3,6 — 2, unddieFormant- 
region etwa fr'—/4. Aber recht scharfe Bestimmungen lassen sich auf 
diesem Wege hier nicht gewinnen. 
Einen Schritt weiter führen Beobachtungen über die gehörten 
Tonhöhen. Daß die 3 Laute gewisse Höhendifferenzen haben, er¬ 
kennt auch der Ungeübte leicht. Bei wiederholter aufmerksamer Beob¬ 
achtung in stillen Nachtstunden konnte ich folgende Tonhöhen fest¬ 
stellen: Geflüstertes M = des3—j3 (je nach dem dunkleren oder helleren 
Charakter), N = as3—h31), Ng = c3—des3. Es muß also für diese Stellen 
des Tongebietes auch eine Resonanz durch den betreffenden Laut aus¬ 
gelöst werden. Auf die Strukturbedeutung dieser Strecken kommen wir 
unten zurück. 
Der Gesamtumfang der 3 stimmlosen Nasalkonsonanten erstreckt sich 
etwa von c2 bis f*. 
Ausgiebigere, wenn auch weniger direkte, Aufschlüsse erhält man, wenn 
man diese Laute als stimmhafte analysiert und sie mit dem gesunge¬ 
nen U, dem sie in dieser Form am nächsten stehen, vergleicht. Sie sind 
in stimmhafter Form in der Tat nichts anderes als ein in verschiedener 
x) Diese Tonhöhen gelten für das zwanglos geflüsterte N. Ich kann 
hier aber willkürlich die Tonhöhe innerhalb der ganzen Oktave des3—des* 
stetig oder in der Tonleiter auf- und absteigen lassen. Es ist ein leisestes 
stimmloses Singen durch die oberen Nasenräume. Die Tonhöhen sind 
vollkommen klar ausgeprägt. Dasselbe ist auch mit geschlossenem 
Munde, also mit M-Einstellung, möglich. Dann kommen besonders die 
hohen Töne, c4, des*, sehr deutlich heraus, die mit der Tonhöhe eines 
geflüsterten E zusammenfallen. Je leiser man in dieser Art flüstert, 
um so besser.
        

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