Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sprachlaute: Experimentell-phonetische Untersuchungen nebst einem Anhang über Instrumental-Klänge
Person:
Stumpf, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit8526/121/
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5. Kap. Struktur der Flüstervokale und Konsonanten. 
und 0 nebeneinander hören, beide allerdings nur schwach gefärbt. 
Ü wird gleichfalls durch Stich in die Formantmitte (3,5 = d4) 
zu einem Nebeneinander eines dunklen und eines hellen Geräusches. 
III. Analyse von Konsonanten durch Interferenzröhren. 
Auch die meisten Konsonanten lassen sich dem If.-Verfahren 
unterwerfen1). Ich habe zahlreiche Versuchsreihen darüber durch¬ 
geführt bei den Zisch- und Reibelauten Sch, S, F, Ch, den Ex¬ 
plosivlauten K, T, P, sowie den stimmlos angegebenen Lauten R, 
M, N, Ng, L und H. Konsonantische Diphthongen, wie Z, blieben 
natürlich ausgeschlossen. Obige Laute kommen, mit Ausnahme 
der 5 letzten, aus einer nicht zu langen und nicht zu engen Röhren¬ 
leitung, solange noch keine seitlichen Interferenzröhren eingestellt 
sind, mindestens so kräftig wie beim Flüstern innerhalb eines 
Zimmers und sind bei zweckmäßiger Versuchseinrichtung qualitativ 
wohlerhalten, wenn auch minimale Veränderungen nicht absolut 
vermieden werden können. Man muß bedenken, daß auch in der 
Praxis des gewöhnlichen Lebens die Umstände, unter denen wir 
sie hören und verstehen, äußerst verschieden sind, und daß beim 
Flüstern aus größerer Entfernung wahrscheinlich sogar stärkere 
Modifikationen auftreten als bei einer kurzen Röhrenleitung, ohne 
daß der Laut unverständlich zu werden braucht. Auch individuelle 
Verschiedenheiten der Aussprache in bezug auf Deutlichkeit und 
Charakter der einzelnen Konsonanten sind, wie bei den Vokalen, 
selbst unter normal Sprechenden, noch bedeutend genug. Wenn 
man darauf achtet, wird man immer wieder davon überrascht. 
Bei wissenschaftlichen Versuchen müssen manche Individuen, 
die man im gewöhnlichen Verkehr ohne jede Schwierigkeit, auch 
beim Flüstern, versteht, für bestimmte Laute geradezu aus¬ 
geschieden werden. 
Bei M, N, Ng und L, die sich ihrer Schwäche wegen auf dem 
Interferenzwege in stimmloser Form nur unvollkommen unter¬ 
suchen lassen, wurden die stimmhaften Formen zu Hilfe genommen 
und daraus gewissermaßen durch Subtraktion des Stimmtones 
Rückschlüsse auf die stimmlosen gezogen, die mit den direkten 
Ergebnissen verglichen werden konnten. Auch das stimmlose R 
ließ sich so mit dem stimmhaften vergleichen. 
1) Bereits Hebmann hat dies versucht, aber unbegreiflicherweise keine 
entschiedene Deformation damit erzielt (Bd. 83, S. 24). Besser gelang es 
Koehler (1, III, S. 24ff., 74ff.; vgl. Vorläuf. Mitt. S. 92ff.). Durchsichtige 
Ergebnisse sind aber auch hier nur durch ganz systematischen Ab- und 
Aufbau zu gewinnen.
        

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